Obgleich das Finanzsystem derzeit stabil ist, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuen Global Financial Stability Report vor einer Marktkorrektur bei der KI. „Angesichts sehr optimistischer Gewinnprognosen und äußerst umfangreicher Investitionspläne in diesem Sektor besteht ein Risiko, insbesondere vor dem Hintergrund der starken Abhängigkeit sowohl der Realwirtschaft als auch der Finanzmärkte von diesem Sektor“, warnt IWF-Ökonom Athanasios Vamvakidis.
Eine solche Korrektur kann auf Branchen durchschlagen, die nur indirekt vom KI-Boom profitieren. Das sind beispielsweise die Bauindustrie in den Vereinigten Staaten, die die Rechenzentren baut, oder aber Siemens Energy, die Gasturbinen produzieren, um den horrenden Strombedarf der KI-Rechenzentren zu decken.
Ein weiteres Risiko stellen die zirkulären Finanzierungsstrukturen dar, die im KI-Geschäft weit verbreitet sind. Etwa wenn ein Chiphersteller ein KI-Unternehmen finanziert, das seine Prozessoren wiederum von dem Chiphersteller bezieht.
„Derzeit handelt es sich dabei um eine sich selbst verstärkende positive Rückkopplung: Investitionen und Finanzierungen fördern die Entwicklung des Sektors, die wiederum weitere Investitionen begünstigt“, warnt Vamvakidis. Sollte dieser Kreislauf an Dynamik verlieren oder ganz zum Erliegen kommen, könne daraus ein negativer Rückkopplungseffekt entstehen, befürchtet er.
Darüber hinaus finanziert Big Tech den Ausbau der KI zunehmend über Anleihen. Laut dem Report entfallen im laufenden Jahr von allen Unternehmensanleihen mit Investment-Grade rund zehn Prozent allein auf Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle. 2024 waren es lediglich 0,5 Prozent gewesen.
Damit tritt Big Tech in Konkurrenz zu den Staatsanleihen. Auch ein Grund, wieso deren Verzinsung zuletzt so stark angezogen ist. Allerdings hat sich die Nervosität in der laufenden Woche etwas beruhigt. Verzinsten die zehnjährigen US-Staatsanleihen vor einer Woche noch mit 5,233 Prozent, sind es aktuell nur noch 5,082 Prozent. In Deutschland sank die Verzinsung solcher Papiere von 3,493 Prozent auf 3,384 Prozent und in Frankreich von 4,897 Prozent auf 4,766 Prozent.
Das Schweizer Biotech-Unternehmen Crispr Therapeutics (ISIN: CH0334081137) gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Geneditierung (die sogenannte Genschere) und könnte eine zentrale Rolle in der nächsten Evolutionsstufe der Longevity-Forschung spielen. Die Crispr/Cas9-Technologie ermöglichst es, gezielt in die DNA einzugreifen und genetische Defekte zu korrigieren. Damit geht der Ansatz weit über klassische Medikamente hinaus und adressiert die Ursachen vieler altersbedingter Erkrankungen.
Das 2013 von der Crispr-Entdeckerin und Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier mitgegründete Unternehmen hat mit Casgevy (Wirkstoff: Exa-cel) gemeinsam mit Vertex Pharmaceuticals bereits ein 2023 zugelassenes Medikament zur Behandlung von erblichen Blutkrankheiten auf dem Markt. Obwohl das Medikament einen Durchbruch darstellte, hat es bislang noch keine nennenswerten Umsätze erzielt. So war das ursprüngliche Indikationsgebiet für Casgevy recht eng gefasst. Anfang dieses Jahres hat die US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Casgevy jedoch auf Patienten ab einem Alter von zwei Jahren ausgeweitet. Dies ermöglicht es Crispr Therapeutics, Patienten zu behandeln, bevor TDT und SCD bei ihnen schwere gesundheitliche Probleme verursacht haben.
Da sich viele Therapieansätze noch in der Entwicklung befinden, ist Crispr Therapeutics derzeit nur begrenzt über klassische Kennzahlen bewertbar. Dennoch rechnen Analysten in den kommenden Jahren mit steigenden Umsätzen durch erste zugelassene Therapien sowie durch Partnerschaften mit großen Pharmaunternehmen. So sollen in diesem Jahr immerhin 46,2 Millionen US-Dollar umgesetzt werden, im kommenden Jahr sollen es dann 155,7 Millionen US-Dollar sein. Dabei fallen jedoch erwartungsgemäß weiter hohe Verluste an. Der Aktienkurs von Crispr bewegt sich seit rund einem Jahr seitwärts zwischen 40 und 50 Euro. Ein Ausbruch aus dieser Schiebezone setzt neues Kurspotenzial frei. Als Depotbeimischung kaufen!
Autor: Dr. Florian Hamann ist Redakteur im Verlag Fuchsbriefe. Er wirft in dieser Woche einen persönlichen Blick auf die Börse.
