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Bürokratie zurechtstutzen
Wirtschaftskolumne: Unternehmensnachfolge attraktiver machen!

Nicole Ackermann.
Nicole Ackermann. Foto: privat
Tausende Handwerksfirmen in der Region Stuttgart suchen Nachfolger. Auch die Politik könnte helfen, um Unternehmertum schmackhafter zu machen.

Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft Ludwigsburg

Das Jahr 2025 hat allen viel abverlangt. Die erhoffte wirtschaftliche Erholung blieb aus, die Konjunktur zeigte sich schwach, und die Stimmung in vielen Betrieben war entsprechend gedämpft. Umsatzstagnation, sinkende Auslastung und zurückhaltende Investitionen prägten die vergangenen Monate. Gerade im Landkreis Ludwigsburg ist die Verbindung zwischen Mittelstand und Industrie eng. Hier spürten die Handwerke für den gewerblichen Bedarf deutlich die schwache Industriekonjunktur. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen wie hohe Energiekosten, Bürokratie und die Last der Transformation. All das hat dazu geführt, dass 2025 für viele Betriebe ein Jahr ohne Schwung war.

Und dennoch: Das Handwerk im Kreis Ludwigsburg bleibt ein zentraler Pfeiler der Wirtschaft. Gerade im Wohnungsbau, im Aus- und Neubau der Infrastruktur, in der Energiewende und der Digitalisierung sind die regionalen Handwerksbetriebe Schlüsselakteure. Der Arbeitsmarkt ist robust, die Nachfrage nach Fachkräften groß. Es gibt immer noch viele Stellen im Handwerk, die nicht passend besetzt werden können. Das bleibt eine große Herausforderung, zeigt aber auch: Wer heute im Handwerk arbeitet oder sich für eine Ausbildung entscheidet, hat beste Perspektiven. Umso wichtiger ist es, den jungen Menschen die Karrierechancen im regionalen Handwerk durch eine ergebnisoffene Berufsorientierung an allen Schulen aufzuzeigen und auch den Eltern und Lehrkräften die Potenziale einer handwerklichen Ausbildung zu verdeutlichen.

Die Sicherung des Nachwuchses ist für die Unternehmen essenziell: Allein in den nächsten fünf Jahren suchen in der Region Stuttgart rund 5.000 Handwerksbetriebe eine Nachfolge. Doch dies gestaltet sich als schwierig. Nur noch wenige Betriebe finden in der Familie die nächste Generation, auch in den Reihen der Mitarbeitenden sind nicht immer potenzielle Übernehmer zu finden. Es braucht daher andere Wege, um Übernahme-Interessierte mit Betriebsinhaberinnen und -inhabern zu vernetzen. Hinzu kommt jedoch erschwerend, dass die überbordende Bürokratie junge Menschen abschreckt. Hier muss die Politik dringend aktiv werden, um Unternehmertum wieder attraktiver zu gestalten.

Für 2026 gibt es vorsichtigen Optimismus. Erste positive Signale wie steigende Baugenehmigungen und geplante staatliche Investitionen lassen hoffen, dass sich die konjunkturelle Lage zumindest in Teilbereichen verbessert. Die kommende Landtagswahl im März stellt außerdem die politischen Weichen neu. Baden-Württemberg braucht eine Landesregierung, die das Handwerk und den Mittelstand stärkt – ohne Hass und Hetze. Dabei kann die Politik auch vom Handwerk lernen: Problem erkennen, Lösung finden und diese dann umsetzen. Mit Mut, Ideen und Tatkraft können wir dieses Jahr zum Wendepunkt machen. Das Handwerk im Landkreis Ludwigsburg steht in jedem Fall bereit.