Obermeister der Kfz-Innung Region Stuttgart
Die neue staatliche Förderung für Elektrofahrzeuge ist beschlossen – und auf den ersten Blick ist sie eine gute Nachricht. Bis zu 6.000 Euro Zuschuss für ein neues E-Auto senken die Einstiegshürde spürbar. Umfragen zeigen, dass für nahezu jeden zweiten potenziellen Käufer genau diese Prämie den Ausschlag für den Umstieg auf einen elektrischen Antrieb geben kann. Kurzfristig wird das den Absatz anschieben, daran habe ich keinen Zweifel.
Doch wirtschaftspolitisch ist diese Förderung mehr als ein freundlicher Impuls. Sie ist ein weiterer Eingriff in einen Markt, der vor allem eines braucht: Verlässlichkeit. Die sozial gestaffelte Ausgestaltung halte ich grundsätzlich für richtig. Sie macht Elektromobilität für breitere Bevölkerungsschichten zugänglicher und gibt Verbrauchern wie der Automobilwirtschaft ein Stück Planungssicherheit zurück. Gleichzeitig hören wir aus der Branche sehr unterschiedliche Einschätzungen. Die einen sehen in der Prämie ein notwendiges Signal, die anderen warnen davor, dass immer neue Kaufanreize keine nachhaltige Strategie ersetzen.
Besonders problematisch finden wir den erneuten Fokus auf Neuwagen. Der Ausschluss gebrauchter Elektroautos mag administrativ bequem sein, ökonomisch ist er kurzsichtig. Die Prämie verkleinert den Preisabstand zwischen Neu- und Gebrauchtwagen, setzt Restwerte unter Druck und trifft Händler, Hersteller, Dienstleister – und auch jene Käufer, die sich erst vor wenigen Monaten ohne staatliche Hilfe für ein E-Auto entschieden haben. Der Kollateralschaden ist erheblich und schwächt genau den Gebrauchtmarkt, der für eine soziale und bezahlbare Mobilität unverzichtbar ist.
Noch grundsätzlicher ist für uns jedoch eine andere Frage: Was signalisiert diese Politik den Menschen? Märkte funktionieren nicht allein über Zuschüsse, sondern über Vertrauen. Vertrauen entsteht, wenn Rahmenbedingungen stabil sind, wenn Investitionsentscheidungen nicht ständig durch neue oder wieder abgeschaffte Programme entwertet werden. Das Hin und Her bei Kaufprämien hat in den vergangenen Jahren eher Kaufzurückhaltung erzeugt als Orientierung.
Wenn Elektromobilität wirklich in der Breite ankommen soll, braucht es mehr als Geld vom Staat. Es braucht eine funktionierende Ladeinfrastruktur, bezahlbaren Ladestrom, transparente Preise – und vor allem eine Förderlogik, die nicht jedes Jahr neu erfunden wird. Aus unserer Sicht entscheidet nicht die Höhe der Prämie über den Erfolg der Elektromobilität, sondern die Glaubwürdigkeit der Politik. Planbarkeit, Verlässlichkeit und ein stabiles Regelwerk sind die eigentliche Währung dieses Marktes. Nur wenn die Menschen darauf vertrauen können, wird der Umstieg dauerhaft gelingen.
