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News aus der Welt der Unternehmen und Börsen
Wirtschaftskolumne: Warum es ohne Wirtschaftsnachrichten nicht geht

Markus Stübler.
Markus Stübler. Foto: LKZ
Berichte über Konzerne und Finanzmärkte finden viele langweilig. Es gibt aber gute Gründe, sich einzulesen.

Wirtschaftsredakteur Ludwigsburger Kreiszeitung

Nachrichten aus der Welt der Unternehmen und Finanzmärkte, das ist für die einen die denkbar spannendste Lektüre, die in der Tageszeitung stets als erstes gelesen wird. Andere Menschen finden Wirtschaftsnachrichten dagegen in etwa so interessant wie den Blick in die laufende Waschmaschine. Vielleicht werden die Meldungen als zu weit entfernt vom eigenen Alltag wahrgenommen, womöglich wirkt das Wachstums- und Gewinnstreben der Akteure auf manch einen unsympathisch. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass gerade Frauen oft weniger angesprochen werden von traditionellen Wirtschaftsnachrichten. Das aber nicht, weil sie sich lieber „weichen“ Themen wie Mode und Küche widmen, sondern weil ihnen die Berichterstattung aus der Welt der Wirtschaft zu männlich geprägt ist, zu sehr Auf- und Abstiege, Siege und Niederlagen in den Blick nimmt.

Sicherlich ein Thema, bei dem sich viele Medien auch an die eigene Nase fassen müssen – wobei in der regionalen Wirtschaft der LKZ regelmäßig Geschichten erscheinen und Menschen zu Wort kommen, die aus dem ganz alltäglichen Wirtschaftsleben vor Ort berichten, ohne Siege, die zwangsläufig für andere Niederlagen sind. Riesenfusionen und Milliardengewinne sind hier eher die Ausnahme – wohl einer von vielen Gründen dafür, dass die täglich erscheinende Seite bei unseren Lesern so beliebt ist.

Doch auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig und die Pflicht einer Tageszeitung, zu vermelden und einzuordnen, was in der weiten Welt der Wirtschaft passiert, selbst wenn dabei zwangsläufig auch Egomanen, dubiose Finanzgeschäfte oder geradezu unanständig große Vermögen thematisiert werden müssen. Auch wenn es für einen normalen Arbeitnehmer weit weg scheint, hat es im Alltag meist große Auswirkungen, was in den Chefetagen ersonnen, in den Büros programmiert und in den Werkshallen produziert wird. Man nehme nur das Thema Künstliche Intelligenz, das in wenigen Jahren riesengroß geworden ist, Unternehmenswerte in stratosphärische Höhen katapultiert hat und sich anschickt, auf so gut wie jeden Job Auswirkungen zu haben. Dass die Welt derzeit immer mehr in Unordnung ist, hat eben längst nicht nur mit einer teils als dysfunktional wahrgenommenen Politik zu tun, sondern immer öfter auch mit technischen Neuerungen, deren Auswirkungen die Politik dann wieder einzufangen versucht. Wer Wirtschaftsnachrichten links liegen lässt, der dürfte letztlich Probleme haben, einiges von dem nachzuvollziehen, was in der Welt vor sich geht.

Und noch ein Punkt spricht für die Lektüre von Wirtschaftsnachrichten: Selbst diejenigen, die es grundsätzlich eher wenig interessiert, ob Siemens nun zuletzt Gewinn oder Verlust gemacht hat, ob die Zinsen steigen oder fallen, könnten von einer gewissen Aufgeschlossenheit gegenüber Wirtschaftsthemen profitieren. Schließlich ist das meist der erste Schritt, um in der Folge etwa die eigenen Finanzen in den Blick zu nehmen und sein Geld in Hinsicht auf größere Anschaffungen oder die Rente anzulegen. Auch hier sind Frauen oft Nachzügler, obwohl sie es angesichts unterbrochener Erwerbsbiographien meist nötiger haben als Männer, fürs Alter vorzusorgen. Und obwohl Untersuchungen zeigen, dass weibliche Anleger an der Börse im Schnitt sogar bessere Resultate erzielen als Männer – weil sie geduldiger sind und weniger von der Absicht getrieben sind, es besser zu wissen als alle anderen und dem Markt ein Schnippchen zu schlagen.

Es gibt somit gute Argumente dafür, das Interesse an Vorgängen in der Wirtschaft schon früh zu wecken, am besten schon in der Schule. Und für alle, die diese Zeit bereits hinter sich haben, gibt es eine gute Alternative: Den Griff zu den Wirtschaftsseiten der LKZ.