Ludwigsburg | 27. September 2017

Eine OP für mehr Lebensqualität

„Es geht um Schmerzfreiheit, aber auch um Beweglichkeit und Lebensqualität“, sagt der Chirurg Dr. Udo Lorenz von der Gefäß- und Lymphmedizin Bietigheim am Forst, der bei einer Veranstaltung der Ludwigsburger Selbsthilfegruppe für Betroffene mit Lip- und Lymphödem (Lily) am Freitag, 6. Oktober, über eine neue Möglichkeit der operativen Behandlung des Lipödems informiert.

Ein modernes, gewebeschonendes Verfahren zur Fettabsaugung wird vorgestellt. Foto: Fotolia
Ein modernes, gewebeschonendes Verfahren zur Fettabsaugung wird vorgestellt. Foto: Fotolia
Flachgestrickte Kompressionsstümpfe als Basistherapie.Foto:obs/medi GmbH & Co. KG/www.medi.de
Flachgestrickte Kompressionsstümpfe als Basistherapie.Foto:obs/medi GmbH & Co. KG/www.medi.de

Patientinnen berichten dann außerdem über ihre Erfahrungen mit dieser Methode. Das Lipödem ist eine krankhafte Häufung von Fettgewebe an den Oberschenkeln sowie an Hüfte, Gesäß, an der Innenseite der Kniegelenke und am Unterschenkel. Reiterhosenphänomen oder Säulenbeine nennt sich das Lipödem umgangssprachlich.

Betroffen sind ausschließlich Frauen und die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. Mediziner gehen aber von einer erblichen Komponente aus. Schon in der Pubertät kann die Anlagerung von unverhältnismäßigem Fett beginnen. Und damit beginnen auch die typischen Beschwerden wie Druckschmerzen, Berührungsempfindlichkeit und die Neigung zu blauen Flecken. Die Beine schwellen beim längeren Sitzen oder Stehen massiv an, es gibt Verhärtungen im Unterhautgewebe und das Schweregefühl von Armen sowie Beinen schränkt die Lebensqualität enorm ein. Bis zur richtigen Diagnose haben die Betroffenen oft eine Arztodyssee hinter sich, flachgestrickte Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainage schaffen Linderung, aber die Krankheit bleibt belastend, eine Heilung ist nicht möglich.

Auf eine besonders gewebeschonende Fettabsaugung hat sich nun Dr. Udo Lorenz spezialisiert. Sie nennt sich wasserstrahl-assistierte Liposuktion. Das Spülen und Absaugen von immerhin vier bis sechs Litern Fettgewebe bei einem Eingriff läuft hier parallel. „Das umliegende Bindegewebe, die Nerven und insbesondere Lymphkollektoren bleiben dabei nahezu unversehrt“, betont der Mediziner, der die Veranstaltung in Ludwigsburg unter das Motto „Lipödem – Therapie in gemeinsamer Hand“ stellt, denn mit der Operation ist es nicht getan.

Durch das anschließende Tragen von Kompressionsstrümpfen über mehrere Wochen bilden sich Begleiterscheinungen wie Blutergüsse, Schwellungen und lokale Verhärtungen zurück. Deshalb ist auch immer ein weiterer Fachmann mit im Boot. So stellt der Apotheker Andreas Bühler aus Bietigheim-Bissingen die passgenaue Kompressionstherapie und die Verlaufskontrolle in 3D-Technik vor.

Über die Möglichkeiten der Hautstraffung als Folgebehandlung informiert außerdem Dr. Ulrich Ziegler von der Schlosspark Klinik in Ludwigsburg, wo Dr. Udo Lorenz auch regelmäßig eine Lipödem-Sprechstunde anbietet. Das Zusammenwirken mehrerer Fachleute aus dem medizinischen Bereich bringt laut Dr. Lorenz erst den Erfolg.

Als sehr wichtig erachtet er überdies das Engagement der von Ute Neitzel geleiteten Selbsthilfegruppe. Sie stellt nicht nur regelmäßige Treffen, Information und Austausch in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, sondern vermittelt den Betroffenen auch Freude an der Bewegung. So finden gemeinsame Aktivitäten wie Nordic Walking, Schwimmen und Aquagymnastik statt. Seit mehr als zwei Jahren treffen sich regelmäßig rund 40 Betroffene, die nicht nur mit Beschwerden, sondern auch mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Verletzende Bemerkungen und die guten Ratschläge endlich mal abzunehmen, kennen viele. Und schließlich die Diätratschläge und die ungläubigen Blicke normalgewichtiger Menschen

„Viele Betroffene schämen sich, trauen sich nicht mehr auf die Straße und leiden darunter, dass Bewegungen beschwerlich sind“, sagt Ute Neitzel. Sie ärgert dabei vor allem eines: Eine Fettabsaugung wird von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich um eine Schönheitsoperation handelt, so die Begründung.

Info: Der von der Selbsthilfegruppe für Betroffene mit Lip- und Lymphödem veranstaltete Vortrag über Liposuktion, Hautstraffung und Kompressionsversorgung sowie mit Erfahrungsberichten findet am Freitag, 6. Oktober um 18 Uhr im Hotel Nestor in Ludwigsburg statt. Um Anmeldung per E-Mail an shg-lily-ludwigsburg@gmx.de wird gebeten. Die Selbsthilfegruppe trifft sich außerdem einmal im Monat freitags im SKV-Vereinsheim in der Tammer Straße 30 in Ludwigsburg-Eglosheim. Die nächsten Treffen finden am 27. Oktober und am 17. November jeweils um 19 Uhr statt.

Angelika Baumeister
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