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John Patrick verlängert seinen Vertrag bei den MHP-Riesen Ludwigsburg bis 2023 und stellt Weichen für die Zukunft

John Patrick verlängert seinen Vertrag bei den MHP-Riesen Ludwigsburg bis 2023. Der Basketball-Bundesligist bindet damit seinen Erfolgstrainer und stellt die Weichen für die Zukunft. Viel hängt zugleich am Verbleib des Star-Spielers Jaleen Smith. Anders als bei Patrick gibt es in dieser Personalie nicht einmal kurzfristig Planungssicherheit.

Bis 2023 bei den Riesen: Trainer John Patrick. Foto: Baumann
Bis 2023 bei den Riesen: Trainer John Patrick. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Acht Jahre ist es her, da waren die MHP-Riesen Ludwigsburg, die damals noch unter dem Namen Neckarriesen durch deutsche Sportarenen reisten, ein vergleichsweise gerngesehener Gegner in der Basketball-Bundesliga. In der Saison 2012/13, in der John Patrick den abstiegsbedrohten Bundesligisten übernahm und vor dem Gang in die Zweite Liga retten sollte, verloren die Ludwigsburger 22 von 34 Spielen. Es folgte der sportliche Abstieg, der Klassenverbleib dank einer Wildcard und eine rasante Entwicklung des Ludwigsburger Basketballs – alles unter dem Trainer John Patrick, dessen Vertrag bis 2023 verlängert wurde, wie die Riesen gestern in einer virtuellen Pressekonferenz bekanntgaben.

„Wir haben eine enorm positive Entwicklung genommen, 2013 sind wir sportlich abgestiegen, seitdem geht es bergauf“, sagte der 1. Vorsitzende Alexander Reil. Derzeit liegen die Riesen auf dem ersten Platz in der Bundesliga mit 16 Siegen aus 17 Partien, wurden vergangene Saison Vizemeister und schafften 2017/18 den Einzug ins Final Four der Champions League. Ein gerngesehener Gast sind die Ludwigsburger mit Patricks aggressivem Spielstil und seiner gefürchteten Ganzfeldverteidigung schon lange nicht mehr. „Kein Team europaweit, das schon mal die Erfahrung mit Ludwigsburg gemacht hat, wünscht sich, gegen Ludwigsburg zu spielen“, sagte Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi im vergangenen Sommer.

Dabei muss Patrick beinahe jedes Jahr aufs Neue ein frisches Team zusammenstellen. Finanziell sind die Ludwigsburger meist nur in der Lage, ihren Spielern Einjahresverträge zu bieten. Und dennoch verbessert sich das Team beinahe von Saison zu Saison. „Wir haben hier etwas aufgebaut. Die sportliche Seite ist die, die die Fans sehen. Wir bauen hier jedes Jahr ein neues Haus, haben aber ein solides Fundament“, sagte Patrick. Es sei eine einfache Entscheidung für ihn gewesen, seinen Vertrag zu verlängern. Anders als viele seiner aufstrebenden Spieler, für die Ludwigsburg häufig ein Zwischenschritt in der Karriere ist, habe er sich kaum mit Angeboten anderer Clubs beschäftigt. „Es gibt für Spieler und Trainer, die gute Ergebnisse liefern, immer Interessenten“, ließ er durchschimmern. „Aber Ludwigsburg ist Zuhause.“

Laut Reil habe man nicht lange verhandeln müssen, um sich auf eine Vertragsverlängerung zu einigen: „Sportlicher Erfolg wird immer entscheidend vom Cheftrainer geprägt.“ Ludwigsburg habe sich in den letzten Jahren „von einer eher grauen Maus zu einem Image mit klarer Spielphilosophie gewandelt“, so Reil weiter. Diese stehe für „Einsatz, Kampfbereitschaft, Leidenschaft – das hat sich über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen“. Von großen Kampfansagen über eine mögliche Meisterschaft in dieser Saison sahen sowohl Reil als auch Patrick ab.

Co-Kapitän Jaleen Smith hatAusstiegsklausel im Vertrag

Ein Gesicht der positiven Entwicklung auf dem Parkett ist Co-Kapitän Jaleen Smith. Der Guard gilt als Favorit auf den Titel als wertvollster Spieler der Saison in der BBL (MVP). „Das ist eine tolle Geschichte“, sagte Patrick und blickte ebenfalls zurück. Smith sei in seinem ersten Jahr in Deutschland noch ein „unterdurchschnittlicher Zweitligaspieler in Heidelberg“ gewesen. Nach einem weiteren Jahr beim Zweitligisten wurde er zunächst Probespieler bei den Riesen, „und jetzt ist er führender Kandidat als MVP. Alles, was er an medialer Aufmerksamkeit kriegt, hat er verdient“, sagte Patrick.

Eine ähnliche Planungssicherheit wie bei Patrick haben die Riesen in der Personalie Smith allerdings nicht. Nach Informationen unserer Zeitung besitzt der 26Jahre alte Guard eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, dank derer er die Riesen noch während der laufenden Saison verlassen könnte. Vergleichbares ereilte die Riesen zuletzt mit Elias Harris. Nach hervorragendem Auftakt im gelb-schwarzen Trikot wechselte der Center nach nur elf BBL-Spielen für die Riesen im Januar zu Casademont Zaragoza nach Spanien.

„Wir haben bis jetzt den Abgang von Elias sehr gut kompensiert. Aber ich glaube, dass wir unter dem Korb vielleicht einen großen Mann gebrauchen könnten“, sagte Patrick über mögliche Nachverpflichtungen. Diese seien laut Reil auch finanziell stemmbar – trotz geschätzter 1,4 Millionen Euro Mindereinnahmen wegen der coronabedingten Ausfälle von Zuschauereinnahmen. „Wir haben sehr konservativ gerechnet“, sagte Reil über die Folgen der Coronapandemie. „Es trifft uns nicht zu drastisch, der Staat stellt außerdem Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung, auf die wir zählen können.“

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