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VfB Stuttgart: Wie ein Club am Filz der Vergangenheit erstickt

Die Saat für den erbitterten Streit wurde bereits vor Jahren gelegt – Eine Chronik der bisherigen Ereignisse

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Bild: Pressefoto Baumann
Bild: Pressefoto Baumann

Stuttgart. Seit dem 30. Dezember 2020 wütet beim VfB Stuttgart ein erbitterter Machtkampf. Doch die Saat für den heutigen Streit beim Fußball-Bundesligisten wurde in der Zeit von Präsident Wolfgang Dietrich (2016 bis 2019) gelegt. Eine Rekonstruktion der Ereignisse.

Frühsommer 2017: Die Pläne für die Ausgliederung laufen auf Hochtouren. Präsident Dietrich treibt das Vorhaben massiv voran. Operativ ist Projektleiter Rainer Mutschler zuständig, der heute mit Bernd Gaiser und Claus Vogt das Präsidium des Vereins bildet. Die heutigen Vorstände Jochen Röttgermann (Marketing) und Stefan Heim (Finanzen) sind damals in selber Funktion tätig, ebenso Kommunikationschef Oliver Schraft. Im Aufsichtsrat sind Martin Schäfer (Würth-Vertriebschef), Wilfried Porth (Daimler-Personalvorstand) und Hartmut Jenner (Kärcher-Chef) die prägenden Figuren. Am 1. Juni2017 stimmen die Mitglieder mit großer Mehrheit für die Ausgliederung des Profifußballs in eine AG. Die Daimler AG beteiligt sich mit 11,75 Prozent und bezahlt dafür 41,5Millionen Euro. Dennoch steigt der VfB zwei Jahre später erneut ab.

28. September 2020: Mitarbeiter des VfB Stuttgart sollen einem Medienbericht zufolge im Vorfeld der Mitgliederversammlung zur Ausgliederung wiederholt Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben haben. Das schreibt der Kicker. Dem Fachmagazin zufolge soll der Club bereits im Frühjahr 2016 eine Kooperation mit der PR-Agentur geschlossen haben. Später ist von Guerilla-Marketing und einem Honorar im mittleren sechsstelligen Bereich die Rede. Der Datenschutzbeauftragte des Landes beginnt mit Ermittlungen. Haben die Verantwortlichen des VfB, die den Vereinsmitgliedern verpflichtet waren, diese bewusst getäuscht? Vogt spricht von einem Tabubruch und verspricht Aufklärung.

8. Oktober 2020: Der VfB beauftragt die Kanzlei Esecon mit der Aufklärung der Datenaffäre.

14. Dezember 2020: Der VfB teilt mit, dass Schraft nicht mehr Kommunikationschef sei und seine Arbeit im Zuge Ermittlungen um die Datenaffäre ruhen lasse. Kurze Zeit später werden Berichte über Meinungsverschiedenheiten zwischen Vogt und Hitzlsperger öffentlich.

30. Dezember 2020: Hitzlsperger greift Vogt öffentlich scharf an, verkündet, selbst Präsident werden zu wollen. Vogts Amtsführung gefährde den Verein. Einen Tag später antwortet Vogt, weist die Vorwürfe zurück und macht die Aufklärung der Datenaffäre als Grund aus, ihn loszuwerden. Hitzlsperger entschuldigt sich später für seine Wortwahl, hält aber an seiner Kandidatur fest.

18. Januar 2021: Der Vereinsbeirat beauftragt einen Personaldienstleister, um weitere Kandidaten für die Präsidentenwahl zu suchen.

19. Januar 2021: Die Stuttgarter Zeitung veröffentlicht einen Bericht und zitiert dabei aus Esecon-Ermittlungsdokumenten. Es gebe umfangreiche Anhaltspunkte dafür, dass die Vorwürfe zutreffend seien. Zudem seien Ermittlungen durch Führungskräfte der VfB-AG behindert worden.

27. Januar 2021: Claus Vogt kündigt eine Verschiebung der Mitgliederversammlung auf den Spätsommer an, damit eine Präsenzveranstaltung wahrscheinlicher sei. Zudem fehle bis zum 18. März Zeit, um die Ergebnisse der Datenskandal-Ermittlung zu bewerten. Am selben Abend widersprechen Gaiser und Mutschler. Der Abschlussbericht werde bis 1. Februar vorliegen. Beide wollen am ursprünglichen Termin festhalten – der Ausgang ist offen.

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