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Dominik Claus

Zuverlässiger SGler mit viel Kampfgeist

Dominik Claus absolvierte im Nachwuchsbereich 59 Handball-Länderspiele und war zeitweise sogar Kapitän. Dann kostete ihn eine Knieverletzung beinahe die Karriere. Doch der 23-Jährige hat sich zurückgekämpft. Mit der SG BBM Bietigheim verfolgt er nun sein großes Ziel. Ein Erfolg heute Abend (19.30 Uhr) gegen TuSEM Essen soll dabei helfen.

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Bietigheim-Bissingen. Am zehnten Spieltag der 2. Handball-Bundesliga rutschte die SG BBM Bietigheim nach einer 27:30-Niederlage beim TV Emsdetten auf Rang 13 und befand sich nur noch einen Punkt von der Abstiegszone entfernt. TuSEM Essen thronte dagegen auf dem Spitzenplatz. Der Fehlstart des Aufstiegsfavoriten von der Enz war perfekt, die Stimmung im Keller. Seitdem ist einiges passiert. Essen ist noch in der Spitzengruppe und Tabellenzweiter, Bietigheim startete eine furiose Aufholjagd und könnte heute Abend (19.30 Uhr) durch einen Erfolg im Ruhrgebiet mit Essen gleichziehen.

Die Geduld nie verloren

„Ausblenden kann man die Ausgangssituation nicht. Nach diesem Saisonstart waren wir alle ziemlich gefrustet“, sagt SG-Rückraumspieler Dominik Claus vor dem Spitzenspiel. „Dass es nun doch noch im Bereich des Möglichen liegt, aufzusteigen, pusht uns alle.“ Wie das gesamte Team hat sich auch der 23-Jährige im Saisonverlauf gesteigert und war zuletzt eine zuverlässige Größe im rechten Rückraum. „Wir haben die Geduld behalten und mit dem Erfolg kam die Leichtigkeit zurück“, analysiert Claus, kann sich aber sowohl die Krise zu Beginn, als auch die folgende Rückkehr zur Stärke nicht richtig erklären.

Heute Abend könnte Claus für das Team noch wichtiger werden. Tim Dahlhaus, mit dem sich Claus im rechten Rückraum abwechselt, wurde unter der Woche zum ersten Mal Vater und ist mit den Gedanken verständlicherweise nicht nur beim Handball. „Die letzten Tage waren ein wenig surreal für mich. Meine Torwürfe, naja. Zum Glück ist Dominik Claus im rechten Rückraum in einer ganz starken Form“, sagte Dahlhaus selbst.

Selbstverständlich ist das nicht. Denn Claus‘ Handballkarriere im Leistungssport schien vor vier Jahren beendet. Sein zweiter Kreuzbandriss, dazu ein Knorpelschaden. 59 Länderspiele hatte Claus bis dahin nach Angaben des DHB im Nachwuchsbereich absolviert und war zeitweise sogar Kapitän. Nun stand das Karriereende im Raum. „Mein Berater hat mir dann eine Reha-Therapie in den USA organisiert. Da habe ich professionell an meiner Rückkehr gearbeitet“, blickt er zurück. 2017 erfolgte der Wechsel von den Eulen Ludwigshafen nach Bietigheim. „Der Fokus lag darauf, gesund zu bleiben, das bin ich nun zum Glück seit zwei Jahren.“

Trainer Hannes Jón Jónsson ist mit Claus zufrieden. „Der Mausi hat eine sehr wichtige Rolle. Er ist ein unglaublich zuverlässiger Spieler.“ Mausi wird Claus bei der SG von allen genannt. Woher das kommt? Aus Claus wurde Clausi, aus Clausi wurde Mausi, erklärt der Lehramtsstudent. An der Uni Stuttgart studiert er die Fächer Deutsch und Sport im sechsten Semester, um nach der Handball-Karriere am Gymnasium zu unterrichten. Als er 2017 von den Eulen nach Bietigheim kam, musste er die Uni wechseln und deshalb einige Monate aussetzen. „Da ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Nur Handball, da hat man fast ein schlechtes Gewissen, man will ja etwas für danach haben.“

In Bietigheim fühlt Claus sich wohl. Er schätzt den beschaulichen Charakter der Stadt. Bei den Eltern von Kapitän Jan Asmuth wohnt er in der Einliegerwohnung. „Die Stadt ist sehr schön und erinnert mich an meine Heimat Speyer. Es ist sehr ruhig, ich bin kein Stadtmensch“, sagt die Nummer 7.

Auch sportlich gesehen war es für ihn der richtige Schritt: „Nach meiner Verletzung war es das Beste, was mir passieren konnte.“ Nur die Ligazugehörigkeit stört ihn. „Meine Ziele decken sich mit denen der SG. Wir wollen in die erste Liga und uns dort etablieren. Dafür trainieren wir jeden Tag.“ In ferner Zukunft hat er auch die Nationalmannschaft nicht ganz abgeschrieben. „Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, da bei der Hymne zu stehen. Das sind Gänsehautmomente. Der Fokus liegt aber auf der ersten Liga.“ Ein Sieg heute Abend in Essen wäre dabei goldwert.

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