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Vaihinger Radprofi Alexander Krieger bei der Tour de France im Interview: Muss das Kopfsteinpflaster sein?

Vor historischer Kulisse: Edward Planckaert, Silvan Dillier, Guillaume van Keirsbulck und Alexander Krieger (von links). Im Hintergrund die Ruine des ehemaligen Klosters Aulps. Foto: privat
Vor historischer Kulisse: Edward Planckaert, Silvan Dillier, Guillaume van Keirsbulck und Alexander Krieger (von links). Im Hintergrund die Ruine des ehemaligen Klosters Aulps. Foto: privat
Am Ruhetag in Morzine strampelte Alexander Krieger mit einigen seiner Teamkollegen des belgischen Rennstalls Alpecin-Deceuninck die höllischen Strapazen der ersten Tour-Woche aus den Beinen. Hinterher mailte der Rad-Profi aus Vaihingen/Enz ein Foto und schwärmte im Whatsapp-Interview von seiner „einzigartigen Erfahrung“ bei der Tour de France.

Vaihingen/Enz. Die Kehrseite der Medaille bleibt auch Alexander Krieger nicht verborgen. Für seinen Zimmergenossen Michael Gogl aus Österreich ist die Tour de France nach einem Sturz beendet. Die verbliebenen „sieben Glorreichen“ versuchen, heil und im Zeitlimit über die hohen Berge zu kommen, um dann bei den flachen und mittelschweren Etappen durch die Sprintspezialisten Mathieu van der Poel und Jasper Philipsen einen Coup zu landen. Zunächst aber steht am Donnerstag der berühmt-berüchtigte Anstieg nach Alpe d’Huez auf dem Programm. Zuvor müssen die Fahrer den Col du Galibier und den Col de la Croix überwinden.

Es ist Ihre erste Tour, schon die erste Woche war richtig hart. Wie haben Sie die Strapazen bis jetzt überstanden?

Alexander Krieger: Ja, die erste Woche war hart. Ich denke, jedem tun die Beine weh, aber im Großen und Ganzen sind wir ganz gut durchgekommen. Bis auf meinen Zimmerkollegen Michael Gogl, er ist leider schwer gestürzt auf der Kopfsteinpflaster-Etappe. Es ist natürlich ein herber Verlust, weil er wichtiger Teil der Mannschaft war, aber ansonsten passt es bisher ganz gut. Es zwickt zwar immer mal wieder, aber bis jetzt bin ich ganz gut durchgekommen.

Viele Fans am Streckenrand, riesiges Medienaufgebot, eine lange Werbekarawane – schildern Sie Ihre Eindrücke.

Die Eindrücke bei der Tour sind schon bemerkenswert. Es sind extrem viele Fans am Straßenrand. Ja, es ist wirklich ein großes Drumherum, eine einzigartige Atmosphäre. Klar, man leidet viel, aber man versucht schon auch hin und wieder, die Stimmung am Straßenrand wahrzunehmen. Ich versuche auch, die Eindrücke zu verarbeiten. Das kommt immer ein bisschen verspätet, aber ich bin extrem froh, dass ich hier bin und versuche, es so gut es geht zu genießen. Was manchmal ein bisschen schwer ist, wenn man sehr, sehr am Leiden ist.

Die Kopfstein-Passage auf der 5. Etappe forderten den Profis alles ab. Muss ein solches Terrain bei der Tour sein?

Da könnten wir eine stundenlange Diskussion starten, ob so etwas bei der Tour sein muss oder nicht. Ich denke ehrlich gesagt nicht. Für uns war es nicht so schlimm, sondern eher eine Chance, aber wenn man die Gesamtwertung anschaut, ist es schon fragwürdig, ob man eine solche Etappe implementiert, weil am Ende des Tages wurden die Differenzen in der Gesamtwertung nur dadurch gemacht, dass jemand Pech hatte und nicht, weil jemand attackiert hat oder schneller gefahren ist. Deswegen ist es für die Favoriten ein Tag, an dem man die Tour verlieren, aber wahrscheinlich nicht gewinnen kann.

Wie geht es Ihrem Teamkollegen Michael Gogl aus Österreich?

Michael hat die Hüfte kompliziert gebrochen, das Schlüsselbein gebrochen. Er hat extrem große Schmerzen, das macht einem Sorgen, weil es in dem Moment jeden hätte treffen können. Aber man muss auch sagen, dass es ihm den Umständen entsprechend ganz gut geht. Er kann damit rechnen, dass er wieder zur vollen Leistungsfähigkeit findet. Das dauert halt jetzt eine ganz lange Zeit, aber er hat zum Glück keine folgenschweren Schäden.

Bei den Gebirgsetappen am Freitag und Sonntag handelte sich Ihr Team deutliche Rückstände ein. Der Ruhetag am Montag kam zur rechten Zeit oder?

Naja, es ist erstmal so: Das kam jetzt nicht überraschend. Wir hatten das so geplant. Wir versuchen, in den Bergetappen so kraftsparend wie möglich ins Ziel zu kommen. Das bedeutet, auch große Rückstände in Kauf zu nehmen, weil wir haben da nichts zu gewinnen. Ob wir mit zehn Minuten, 20 oder 30 Minuten Rückstand ins Ziel kommen, ändert für uns nichts. Der Ruhetag kommt für jeden zur rechten Zeit. Es war strapaziös für jeden.

Am Mittwoch und Donnerstag folgen die nächsten Hammeretappen in den Alpen. Mit welcher Strategie nimmt Alpecin-Deceuninck die zweite Woche in Angriff?

Unsere Strategie ist einfach: Wir fahren auf den Etappen, wo wir um den Sieg fahren können mit Mathieu und Philipsen Vollgas. Das heißt die mittelschweren bis leichten Etappen. Auf den schweren Etappen gilt es für uns, ins Ziel zu kommen – im Zeitlimit und gesund.