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Pferdesport

Witzemann glänzt mit Nullrunde

Als Andy Witzemann vom PS-Team Winterlingen als vierter Reiter der wertvollsten Prüfung des 40. Pferdemarktturniers mit seinem Wallach Cassadero fehlerfrei blieb, hätte niemand für möglich gehalten, dass es die einzige Nullrunde unter 28 Startern bleiben würde. Der 42-jährige siegte gestern ohne das fest eingeplante Stechen.

Sieger Andy Witzemann (Winterlingen e.V) auf Cassadero. Foto. Baumann
Sieger Andy Witzemann (Winterlingen e.V) auf Cassadero. Foto. Baumann

Bietigheim-Bissingen. Bevor sich Stadtoberhaupt Jürgen Kessing zur Siegerehrung des abschließenden S**-Springens sein Jackett überstreifte, musste er erstaunt feststellen: „Kein Stechen – das ist auch ein Novum.“

Andy Witzemann kassierte mit dem zwölfjährigen Cassadero nicht nur wichtige Qualifikationspunkte zum BW-Bank Hallenchampionat im November in der Stuttgarter Schleyerhalle, sondern auch eine stattliche Siegprämie von 1700 Euro. „Gottseidank haben sie uns ohne Jacke reiten lassen“, stattete Witzemann bei hochsommerlichen Temperaturen dem Veranstalter einen speziellen Dank ab.

Nach seinem Sieg in Waldachtal und einer Platzierung in Donaueschingen ist dem Winterlinger die Teilnahme in Stuttgart nicht mehr zu nehmen. Damit ist er aber noch nicht zufrieden. Er will die prestigeträchtige Vierer-Serie, die demnächst in Bisingen abgeschlossen wird, nach Möglichkeit gewinnen.

Gestern im Ellental konzentrierte er sich auf dem Abreiteplatz gedanklich bereits auf das Stechen, während im Parcours (14 Hindernisse/17 Sprünge) ein Konkurrent nach dem anderen eine oder mehrere Stangen abräumte. Als dann auch Nikolaus Leckebusch-Peters (RSC Salzstetten) als letzter Reiter auf Alicante fünf Fehlerpunkte kassierte, wurde das mit Spannung erwartete Stechen überflüssig.

„Hoch, breit und technisch – da mussten sie richtig turnen“, unterstrich der Gewinner die enormen Anforderungen an die Vierbeiner. „Ich hatte das Glück, dass ich ein ganz routinierte Pferd am Start hatte“, lobte er seinen Cassadero, der lediglich „am 13. Hindernis die Stange leicht touchierte“. Wie Witzemann hervorhob, hat sein Wallach derzeit einen Lauf. Bietigheim war das sechste Springen, das Cassadero als Sieger beendete. Platz 2 ging gestern an Hans-Dieter Dreher (RV Dreiländereck) mit Prinz vor Sven Speidel (RFV Essingen/Dawson), Christopher Kurz (RFFV Sinsheim/Castell), Jan Müller (RV Ilsfeld/Ciricu) und Mohamad Mogheeth Alshebab (RFV Herrenberg/Cellezione), die allesamt mit vier Fehlerpunkten notiert wurden.

Lokalmatador hochmotiviert

Hochmotiviert war auch Lokalmatador Lucas Wenz aus Sersheim mit Chandon de Blue in die Runde gestartet, doch „wir waren ein bisschen dicht am dritten Sprung“. Es blieb der einzige Abwurf, wegen Zeitüberschreitung wurden es dann fünf Fehlerpunkte und Rang 7. Die Teilnahme am Hallenchampionat in Stuttgart hat Wenz fest im Visier.

„Ich wäre gerne null geritten, aber ich bin mit Chandon sehr zufrieden, der in diesem Jahr eine unheimliche Entwicklung genommen hat“, merkte der 22-Jährige ab, der vor anderthalb Jahren aus Hessen ins Ländle gewechselt ist und nun bei seinem Vater Marcus Wenz auf der Reitanlage in Sersheim Pferde ausbildet. Sein bisheriges Pferd Nummer 1 Pokerface, mit dem er in Mannheim ein Zwei-Sterne-S-Springen gewonnen und das goldene Reitabzeichen erworben hatte, muss derzeit nach einer Verletzung noch geschont werden.

Der ehrgeizige Youngster zeigte sich beeindruckt vom Jubiläumsturnier im Ellental: „Superschön mit den Zuschauern und mit der Atmosphäre.“ Bei solchen Worten wird dem Präsidenten des Reitervereins Bietigheim-Bissingen, Klaus Dieterich, warm ums Herz. Ein dickes Lob heimste dieser auch von Pferde-Enthusiast Dieter Widenmeyer (Nordheim) ein: „Ich ziehe vor Ihnen den Hut, dass Sie in dieser Zeit, wo so viele Vorschriften herrschen, so ein Turnier aufziehen.“

Dieterich reicht die Blumen weiter an die Stadt und stattete seinen Dank ab, „dass wir dieses Turnier veranstalten durften“. Die Corona-Pandemie erzwang natürlich starke Einschnitte, was das Engagement von Sponsoren angeht. Auch auf den Großen Preis der Stadt Bietigheim-Bissingen, traditionsgemäß zum Abschluss der drei Tage der Höhepunkt, verzichteten die Verantwortlichen im Rathaus.

Wie OB Kessing bestätigte, hatte dieser Entschluss in schwierigen Zeiten aus der Überlegung resultiert, alle Vereine gleich behandeln zu wollen. Wichtig für den Verein war natürlich, dass das städtische Gelände unterm Viadukt zur Verfügung gestellt wurde.

Insgesamt 16 Prüfungen standen an den drei Tagen auf dem Programm. Neben Andreas Witzemann und Hans-Dieter Dreher sattelten auch die amtierende deutsche Vizemeisterin Barbara Steurer-Collee sowie Könner wie Tim Hoster und Timo Beck ihre Pferde. RV-Chef Dieterich sieht in dem Turnier ein verbindendes Element für die 350

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