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S-Bahn

Nullrunde bei Tickets ist vom Tisch

Der Verkehrsausschuss der Region Stuttgart hat gestern für eine Erhöhung der S-Bahntickets um durchschnittlich 1,9 Prozent ab April 2020 gestimmt. Zuvor hatte der Verwaltungsausschuss des Landkreises Ludwigsburg eine Nullrunde abgelehnt.

Die Landkreise wollen nicht über die Brücke gehen, die das Land ihnen bei den S-Bahntickets gebaut hat. Die zusätzlichen Kosten sind auch Ludwigsburg zu hoch. Foto: Holm Wolschendorf
Die Landkreise wollen nicht über die Brücke gehen, die das Land ihnen bei den S-Bahntickets gebaut hat. Die zusätzlichen Kosten sind auch Ludwigsburg zu hoch. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Die Meldungen aus den Landkreisen liefen gestern im Stundetakt beim Verband Region Stuttgart (VRS) ein. Zu Beginn der Sitzung des Verkehrsausschusses am späten Nachmittag kam dann die entscheidende Nachricht: Der Verkehrsausschuss des Rems-Murr-Kreises hat sich endgültig gegen eine Nullrunde bei den Tarifen ausgesprochen. Dieses Votum ist für den Kreis bindend. Auch in Böblingen ist der Verkehrsausschuss für die Preissteigerung. Damit war das Thema vom Tisch. Denn wenn nur einer der fünf Landkreise und die Stadt Stuttgart gegen die Beibehaltung der derzeitigen Tarife votiert, dann muss erhöht werden.

Am Freitag hatte schon der Verwaltungsausschuss des Kreistages Ludwigsburg in nicht-öffentlicher Sitzung gegen die Nullrunde gestimmt. CDU, Freie Wähler und FDP wollen die zusätzliche Belastung für den Haushalt von mindestens 1,3 Millionen Euro pro Jahr nicht mittragen. Grüne, Linke und Teile der SPD hatten sich dafür ausgesprochen.

Das Stuttgarter Verkehrsministerium hatte zuvor angeboten, 33 Prozent der zusätzlichen Kosten von zehn Millionen Euro zu übernehmen, wenn die Landkreise den Rest tragen. Die Stadt Stuttgart hatte sich schon förmlich dazu bekannt. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte sogar die CDU-Stadträte noch einfangen müssen, die eine doppelte Nullrunde forderten.

Im Verkehrsausschuss positionierte sich die CDU allerdings gegen die Nullrunde. „Die Höhe des Ticketpreises ist ein wichtiges Argument für die Fahrgäste, damit sie auf die S-Bahn umsteigen“, sagte Fraktionschef Rainer Ganske. „Allerdings nicht der wichtigste.“ Pünktlichkeit, Angebot und Taktung der Verbindung seien deutlich wichtiger. Die Christdemokraten fürchten „eine finanzielle Bugwelle“ für die Landkreise, da das Land seine Kostenübernahme auf sieben Jahre begrenzt habe. Landkreise und die Stadt Stuttgart gingen jetzt schon ins Risiko. Denn eigentlich müssten die Fahrpreise im Schnitt um 3,5 Prozent erhöht werden, um die Kostensteigerungen auszugleichen. Man hofft allerdings auch beim Verband Region Stuttgart, dass ein Teil durch mehr Fahrgäste ausgeglichen werden könne. Ganske warnte auch davor, den Landkreisen die notwendigen Gelder über eine höhe Umlage aus der Tasche zu ziehen.

Das wollen auch die Grünen nicht. Ihr Fraktionschef André Reichel nannte die Tarifreform ein „kraftvolles Signal für den Umstieg“ und den „größten Erfolg“ im öffentlichen Nahverkehr. „Das Signal wird aber bei einer Preiserhöhung geschwächt“, so Reichel. Er warnte, dass die Landeszuschüsse von drei Millionen Euro jährlich nicht fließen, wenn die Nullrunde abgelehnt wird. Die Landkreise könnten sich den Verzicht durchaus leisten.

Dem widersprach Regionalrat Bernhard Maier, der keinen „Wechsel auf die Zukunft“ ausstellen wollte. Schon jetzt kämen aus der Tarifreform Kosten von rund 50 Millionen Euro auf die Landkreise zu. „Für eine Nullrunde ist es jetzt der falsche Zeitpunkt“, so Maier (Freie Wähler).

Dies sah Harald Raß (SPD) anders. Er war irritiert, dass die Landkreise nur mitmachten, wenn das Land die Hälfte der Kosten übernimmt, ein Drittel aber nicht genug sei.

Der Verkehrsausschuss votierte dann bei sechs Gegenstimmen (SPD und Linke) für die „moderate Erhöhung“ von 1,9 Prozent. So kostet das Einzelticket für zwei Zonen (Ludwigsburg-Stuttgart) dann 3,10 Euro statt 2,90. Bestimmte Tickets sollen von der Tarifsteigerung ausgenommen werden. Hierbei handelt es sich um die Zeittickets für Auszubildende, die von der Tarifreform nicht unmittelbar profitiert haben. Konkret betrifft es das Scool-Abo, Ausbildungs-Abo, Studiticket und das 14-Uhr-Juniorticket. Die Preise für Einzel- und 4er-Tickets für Kinder und das Tagesticket sollen ebenfalls unangetastet bleiben.

Heute muss der Aufsichtsrat des Stuttgarter Verkehrsverbunds (VVS) noch über die Erhöhung befinden. Er lässt den Beschluss aber formal wohl noch offen, da noch nicht alle Kreistage der Landkreise abgestimmt haben.

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