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Das Warten auf den Generationswechsel

Nicht nur das Neubaugebiet Hälde wird für mehr Kinder in Hemmingen sorgen, sondern auch der Generationswechsel in den alten Wohngebieten Schauchert und Schlossgut. Das hat eine Untersuchung jetzt ergeben.

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Ludwigsburg. „Es gibt keine grundsätzlich neue Situation, aber durchaus interessante Ergebnisse“, leitete Dr. Johannes Feifel seine zweite Bedarfsplanung zum Thema kommunale Kinderbetreuung in den kommenden zehn Jahren in Hemmingen ein. Bereits in der vergangenen Sitzung des Gemeinderates hat er dazu Zahlen präsentiert – allerdings seinem Auftrag entsprechend vorwiegend auf das Neubaugebiet Hälde bezogen. Aus dem Gremium ist daraufhin die Kritik gekommen, dass der Generationswechsel, der momentan in den Wohngebieten Schauchert und Schlossgut im Gange sei, in der Untersuchung nicht berücksichtigt würde. Die Hemminger Verwaltung reagierte darauf und beauftragte den Fachmann von Pan Geo, einem Stuttgarter Unternehmen für angewandte Geografie, auch dazu eine Prognose zu erarbeiten.

Seine erste Erkenntnis dabei, dass sowohl der Schauchert als auch das Schlossgut „deutlich überaltert“ sind. Auch im Vergleich zur gesamten Gemeinde, für welche laut Daten des Statistischen Landesamtes Ähnliches gilt. Für seine weiteren Berechnungen zog er sogenannte Sterbetafeln heran. Diese geben die Sterbewahrscheinlichkeit nach Lebensalter an und so kam er zu folgendem Resultat: „Von 2016 bis 2025 werden in den beiden Wohngebieten rechnerisch 490 Wohnungen frei, mehr als das Doppelte der Hälde“, sagte Feifel. Dieses Ergebnis, das bei einigen Gemeinderäten für hoffnungsfrohe Gesichter sorgte, relativierte der Fachmann indes. Von den 490 würden voraussichtlich lediglich 20 bis 33 für zuziehende Auswärtige verfügbar sein. Denn es sei zu erwarten, dass etwa zehn Prozent der Wohnungen vorübergehend oder dauerhaft leer stehen werden.

Dazu kämen 15 Prozent, bei denen Zwei- zu Einpersonen-Haushalten würden und 20 Prozent würden wiederum von Hemmingern bezogen, etwa den Enkeln. Da der freiwerdende Wohnraum aber vor allem von Familiengründern genutzt wird, ergibt sich nach Feifels Prognose trotzdem ein Anstieg der Kinderzahlen. So sei von 2015 bis 2025 mit bis zu sechs zusätzlichen Kleinkindern im Jahr und bis zu 17 Kindergartenkindern zu rechnen.

Damit sahen sich die Gemeinderäte in ihrer Erwartung eines Generationswechsels bestätigt. „Sie haben relativ konservativ gerechnet und es ist trotzdem eine Kita-Gruppe und eine Kindergartengruppe herausgekommen“, bilanzierte Jörg Haspel (Freie Wähler). Man könne noch darüber diskutieren, ob man die „Stellschrauben“ im Gutachten etwas verändert – sprich etwa die Prozentzahl der Leerstände senkt, was zu mehr Wohnraum für Familien und damit noch mehr Kindern führen würde. Ähnlich sah es der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Stehmer. Er bezeichnete Feifels Prognose gar als „tiefgestapelt“. „Ich bin ein Fan konservativer Rechnungen“, gestand darauf Feifel unumwunden, „denn wenn ich zu stolz rechne und es dann weniger Kinder kommen, haben Sie nichts davon, nur Kosten.“

„Was wir sicherlich nicht tun sollten, ist in allen Annahmen an die Obergrenze zu gehen“, mahnte dann auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Bauer. Zudem sprach er der Verwaltung sein Vertrauen aus. Diese habe bisher immer die Kindergartenzahlen ziemlich exakt vorausgesagt und das werde sie sicher auch in Zukunft tun. Feifels Untersuchung werde für künftige Entscheidungen nur ein Aspekt sein. Schließlich handle es sich lediglich um eine Prognose. „Es ist eine Illusion zu glauben, damit könne man die Kinderzahlen tatsächlich vorhersagen.“

In der nächsten Sitzung des Hemminger Verwaltungsausschusses soll nun über das weitere Vorgehen hinsichtlich des zusätzlichen Platzbedarfs beraten werden, etwa ob für die Hälde ein zusätzlicher Kindergarten gebaut wird.