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Kinderbetreuung

Streit um zusätzliche Tagesstätten

Dem prognostizierten Kindersegen in den kommenden Jahren will Hemmingen mit dem Bau von zwei neuen Kindertagesstätten begegnen – erst in der Laurentiusstraße, dann im Neubaugebiet Hälde.

Ludwigsburg. Hat es an den hohen Temperaturen gelegen, die an diesem hochsommerlichen Abend noch geherrscht haben, oder ist es die veränderte Empfehlung des Gutachters Dr. Johannes Feifel gewesen, die für Verwirrung im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates gesorgt hat? Einigkeit und Klarheit jedenfalls gab es auf der Grundlage der Prognose des Fachmanns von Pan Geo, einem Stuttgarter Unternehmen für angewandte Geographie, zunächst nur über eines: Hemmingen braucht bis 2020 drei bis vier zusätzliche Kindergartengruppen sowie zwei weitere Krippengruppen für unter Dreijährige.

Bedarf wird dabei insbesondere im Neubaugebiet Hälde bestehen. Bis zum Jahr 2020 rechnet Feifel mit einer auf bis zu 207 steigenden Zahl an Kindern, was einem Zuwachs von zehn Prozent entspricht. Unter diesen sind, so die Prognose des Experten, 95 Kindergarten- und Kleinkinder im Jahr 2017, wobei ihre Zahl indes bis 2020 wieder auf 75 und bis 2025 auf 63 sinkt, während der Anteil der unter Dreijährigen zunimmt. Summa summarum sind daher in den Spitzenjahren drei Kindergarten- und eine Krippengruppe für den Hälde-Nachwuchs nötig. Daher hatte Feifels Empfehlung bisher gelautet, diesen Bedarf mit einer temporären Einrichtung im Neubaugebiet zu decken.

Weitere Untersuchungen

Doch durch den Zusatzauftrag des Gemeinderates, auch den Generationswechsel in den Wohngebieten Schauchert und Schlossgut zu beleuchten, hätten sich die Vorzeichen etwas geändert, erläuterte Feifel. Da in den kommenden Jahren frei werdender Wohnraum voraussichtlich vor allem von Familiengründern genutzt werde, ergibt sich auch dort ein Anstieg der Kinderzahlen. Feifel erwartet von 2015 bis 2025 bis zu sechs zusätzliche Kleinkinder im Jahr und bis zu 17 Kindergartenkinder. Diese Zunahme insgesamt an jungen Hemmingern rechtfertige in der Hälde auch eine dauerhafte dezentrale Einrichtung zur Kinderbetreuung, so Feifels Fazit – nicht ahnend, was er damit für eine Welle im Gremium lostrat.

Die Freien Wähler, die sich bereits in einer der vorausgegangenen Gemeinderatssitzungen klar für eine Kindertagesstätte in der Hälde ausgesprochen hatten, behielten ihre Position bei. „In jedem Bereich muss ein Kindergarten da sein und es muss zur Gesamtzahl passen“, sagte deren Sprecher Jörg Haspel. Für „nicht optimal“ indes hielt Wilfried Gentner (CDU) diese Standortwahl. Dadurch würde das Neubaugebiet noch mehr zu einer „Exklave“ werden. Zudem befürchtete er, wie auch seine Fraktionskollegin Ute Freitag, zusätzlichen Verkehr im Ort, wenn Eltern womöglich aus dem Gebiet Schauchert ihre Kinder in die Einrichtung in der Hälde kutschierten.

Dr. Martin Pfeiffer (ebenfalls CDU) brachte daraufhin die Hochdorfer Straße als Alternativstandort ins Spiel, da dieser sowohl von der Hälde als auch vom Schauchert zu erreichen sei. „Das ist eine neue Variante, die es lohnt anzugehen“, meinte Bürgermeister Thomas Schäfer dazu.

Die SPD zeigt sich irritiert

Derweil wuchs die Irritation auf Seiten des SPD-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Stehmer. Was ist aus dem Grundsatz „kurze Beine, kurze Wege“ geworden, über den bisher doch immer Einigkeit geherrscht habe, wollte er wissen. Zudem fürchtete er, dass durch lange Diskussionen um die Standortwahl die Dringlichkeit einer Betreuungseinrichtung für die Hälde-Kinder ins Hintertreffen geraten könnte.

Die CDU stimmte als einzige Fraktion geschlossen gegen den Antrag der Verwaltung, nach der Kita Laurentiusstraße auch in die Planung und den Bau einer drei-gruppigen Kita in der Hälde einzusteigen. Mehrheitlich ging er trotzdem durch. Fertigstellung soll im Januar 2018 sein.