Korntal-Münchingen. Es ist eine Begegnung, die Alexander Noak wohl noch länger beschäftigen wird. Eine junge Familie mit einem kleinen Kind steht am Donnerstagabend in der Kälte. Die Mutter hält ihr Kind auf dem Arm, an den Füßen trägt sie lediglich Badeschlappen. Nicht einmal Socken hat sie an. „Die haben schon geschlafen“, erzählt Korntal-Münchingens Bürgermeister am Tag nach dem verheerenden Brand in der Christina-Blind-Straße. Dann wurden sie vom Feuer überrascht und mussten ins Freie.
„Die Mutter hat die ganze Zeit das kleine Kind auf dem Arm gehabt“, berichtet Noak. Die Familie gehört zu den Bewohnern eines Mehrfamilienhauses, in dem am Donnerstagabend ein Feuer ausgebrochen war. Ein Mann wurde schwer verletzt, sechs weitere Menschen erlitten nach Angaben des Kreisbrandmeisters leichte Verletzungen. Der Schaden liegt laut Polizei bei rund einer Million Euro.
Für Noak war es das erste Mal, dass er einen Einsatz dieser Größenordnung unmittelbar miterlebte. Besonders die Begegnung mit der jungen Familie hat ihn berührt. „Wenn man dann so ganz engen Kontakt hat mit den direkt betroffenen Menschen und deren Leid so wirklich hautnah miterlebt, berührt einen das schon“, sagt er. Vor allem, wenn auch ein kleines Kind betroffen sei.
Wenn plötzlich alles weg ist
Der Bürgermeister erzählt aber nicht nur von dieser einen Familie. Ihn beschäftigt auch die Frage, was ein solches Unglück für die Menschen bedeutet, die innerhalb kürzester Zeit ihr Zuhause verlieren. „Wenn man dann so ein Gebäude sieht, das wirklich komplett zerstört ist, oder Wohnungen sieht, die komplett zerstört sind, dann denkt man sofort darüber nach: Wie würde es einem denn selbst gehen, wenn man von jetzt auf nachher sein komplettes Hab und Gut verliert?“
Personalausweis, Erinnerungsstücke, Kleidung – all das könne plötzlich weg sein. Dinge, die im Alltag selbstverständlich erscheinen, bekommen in einer solchen Situation eine andere Bedeutung.
Eine warme Anlaufstelle für die Betroffenen
Am Donnerstagabend ging es für den Bürgermeister zunächst darum, den Menschen ganz konkret zu helfen. Noak war von der Leitstelle verständigt worden. Bei größeren Brand- oder Katastrophenereignissen, bei denen Bürgerinnen und Bürger versorgt und untergebracht werden müssen, werde er direkt kontaktiert.
Die Stadtverwaltung öffnete den Widdumhof, damit die Betroffenen zunächst einen warmen und sicheren Ort hatten. Insgesamt fanden dort 24 Menschen eine erste Betreuung. Anschließend wurde geklärt, wer bei Verwandten oder Bekannten unterkommen konnte und wer eine andere Unterkunft benötigte.
Zwei Familien brachte die Stadt zunächst in einem Hotel unter. Eine davon fuhr Noak persönlich dorthin: die junge Familie mit dem kleinen Kind.
Inzwischen konnte eine der beiden Familien wieder in ihre Wohnung zurückkehren. Für die andere richtet die Stadt eine Übergangswohnung ein. Auch für zwei weitere Familien, die sich am Freitag meldeten, weil ihre Wohnungen weder über Strom noch über Wasser verfügen, wurden Unterbringungsmöglichkeiten gefunden.
„Es war wirklich beeindruckend“
Neben der Betroffenheit über die Schicksale der Bewohner bleibt Noak vor allem die Zusammenarbeit der vielen Helfer in Erinnerung. „Es war wirklich beeindruckend“, sagt er über das Zusammenspiel von Feuerwehr, Polizei, DRK und Seelsorge. Die einzelnen Akteure hätten hochprofessionell Hand in Hand gearbeitet.
Besonders bewegt habe ihn aber auch das Engagement der Ehrenamtlichen. „Das hat mich auch stolz gemacht“, sagt Noak. Menschen, die sich am späten Abend selbstverständlich einbrachten, um anderen in einer Ausnahmesituation zu helfen.
Auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung seien außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit zum Einsatz gekommen. Der zuständige Bereitschaftshausmeister des Widdumhofs sei beispielsweise aus Ludwigsburg gekommen. Noak lobt das „ganz große Engagement“ seines Verwaltungsteams.
Eine Nacht, die nachwirkt
Auch am Freitagmorgen war der Brand im Rathaus noch das bestimmende Thema. Man spreche darüber, wie der Einsatz verlaufen sei, erzählt Noak. Die Stadt wolle sich noch einmal zusammensetzen und gemeinsam Bilanz ziehen. „Was lief gut, was lief vielleicht nicht so gut? Wo können wir uns noch verbessern?“
Für den Bürgermeister ist die Nacht damit nicht einfach abgeschlossen. Er spricht von einem eindrücklichen Erlebnis. Besonders die Begegnung mit der jungen Familie ist ihm geblieben.


