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Eispanzer schützt die Obstbaumblüten

Frostalarm in den Obstplantagen im Neckartal und am Stromberg: In der Nacht zum Dienstag sind die Beregnungsanlagen eingeschaltet worden, um die zarten Blüten vor Frost zu schützen.

Bizarre Eisgebilde schmücken die Obstbäume nach der Frostberegnung.Fotos: Alfred Drossel
Bizarre Eisgebilde schmücken die Obstbäume nach der Frostberegnung. Foto: Alfred Drossel
Die Beregnungsanlagen werden in der Nacht eingeschaltet.
Die Beregnungsanlagen werden in der Nacht eingeschaltet.
Mit zunehmender Wärme schmilzt das Eis.
Mit zunehmender Wärme schmilzt das Eis.
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Bönnigheim/Kirchheim. Blauer Himmel und Sonnenschein: In den Obstanlagen hat das Eis am Morgen bizarre Formen gebildet, die im Gegenlicht märchenhaft erscheinen. Mit zunehmender Wärme schmilzt das Eis. Am nächsten Morgen wiederholt sich das Schauspiel. „Hoffentlich nicht jede Nacht diese Woche“, sagt Obstbauer Maik Sartorius. Doch es wird nicht die letzte Frostnacht gewesen sein. Auch in den kommenden Nächten wird die Quecksilbersäule unter null Grad fallen. Womöglich wird es noch eisiger als in den vorangegangenen Nächten.

Viele Obstbauern haben in den vergangenen Jahren kräftig investiert und Beregnungsanlagen montiert. Frank und Maik Sartorius in Bönnigheim haben 2019 noch ein Wasserbecken zur Speisung der Beregnungsanlage gebaut. Die Anlage hatte jetzt Premiere. Rund 60 Prozent seiner Anbaufläche kann Sartorius frostberegnen. Das ist immer noch der wirksamste Schutz gegen Frost. Am Montag gegen 23 Uhr fiel das Thermometer auf minus zwei Grad, deswegen schaltete Maik Sartorius seine Anlage ein, um ununterbrochen zu beregnen. Dadurch bildet sich auf den frostempfindlichen Pflanzenteilen eine anwachsende Eisschicht. Beim Gefrieren des Wassernebels wird die Erstarrungswärme des Wassers freigesetzt, wodurch die Temperatur innerhalb der Eishülle nicht unter den Gefrierpunkt absinkt.

Nach Sonnenaufgang taut der Eispanzer durch die Wärme wieder ab. In den feinen Tröpfchen löst sich Sauerstoff besser und gefrierende Mikrotröpfchen schließen zusätzlich Luftbläschen ein, wodurch ein Wärmedämm-Effekt entsteht. Durch das Gefrieren des Wassers werden 93 Wattstunden je Kilogramm an Energie frei, weiß Wolfgang Händel aus Hohenstein, er ist ein Spezialist für Beregnungsanlagen. Mit derselben Wärmemenge sei es auch möglich, ein Kilogramm Wasser um 80 Grad zu erwärmen. Für die Wärmemenge, die in einer Frostnacht je Hektar unter optimalen Bedingungen durch Frostberegnung gewonnen werden könne, müsste man etwa 3000 Liter Heizöl verbrennen.

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