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Sicherheit und Versorgung

„Die Lage ist ausgesprochen angespannt“

Wie geht es nun weiter? Diese Frage dürften sich viele Bürger spätestens seit gestern stellen. Die Corona-Krise schränkt das alltägliche Leben nun auch in Ludwigsburg spürbar ein, doch wie steht es mit der Sicherheit und Versorgung? Wir haben im Krankenhaus, bei Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei nachgefragt.

Nicht nur die Kliniken, die Corona-Patienten aufnehmen und behandeln, sondern auch die Rettungsdienste, die Feuerwehren und die Polizei müssen sich zurzeit fast stündlich auf neue Lagen einstellen. Für diejenigen, die den Menschen als Helfer zur Seite stehen, spitzt sich die Lage langsam selbst zu. „Die RKH (Regionale Kliniken Holding) Kliniken können die Entwicklung der Covid-19-Infektion nicht genau voraussehen, gehen aber davon aus, dass sie sich exponentiell entwickeln wird“, sagt Pressesprecher Alexander Tsongas.

Im Klinikum in Ludwigsburg wurde neben der Corona-Teststation eine Isoliertstation eingerichtet, in der die Corona-Patienten untergebracht werden. „Die Kapazitäten können aber auch über die bisher bereitstehenden Betten hinaus ausgeweitet werden“, sieht Tsongas das Klinikum für weitere Fälle gewappnet.

Im Klinkenverbund stünden zudem genügend Intensivbetten zur Verfügung. „Die Erfahrungen aus Italien zeigen, dass im Vergleich zu Influenzapatienten bei Corona ein höherer Prozentsatz der Patienten so schwer erkrankt, dass eine Versorgung auf einer Intensiv- oder Überwachungsstation notwendig wird.“

Als erste Vorsichtsmaßnahme wurde bereits am Mittwoch ein genereller Besucherstopp für die Krankenhäuser in Ludwigsburg, Bietigheim-Vaihingen, Marbach und Markgröningen erlassen. Derzeit können die Patienten und Besucher zwar noch in die Kliniken-Physiotherapie. „Dies wird aber auch noch geprüft werden müssen“, sagt Tsongas.

Auch werden die Kliniken „bis auf die Orthopädische Klinik Markgröningen und das Krankenhaus Neuenbürg die geplanten Operationen deutlich einschränken“. Hierbei handle es sich um Patienten, die eine Erkrankung haben, die nicht dringend und zeitnah behandelt werden müsse. Sie werden von den RKH Kliniken informiert. Info-Veranstaltungen für Patienten wurden bis auf Weiteres abgesagt. Nachdem gestern zudem bekannt wurde, dass Kitas und Schulen ab Dienstag geschlossen bleiben, bemühen sich die Kliniken laut Tsongas außerdem, „den Beschäftigten alternative Betreuungsangebote anbieten zu können, um Personalengpässe“ zu vermeiden.

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) arbeitet bereits seit Ende Februar im Krisen-Modus. „Die Lage ist ausgesprochen angespannt“, sagt Daniel Groß, Geschäftsführer des ASB Ludwigsburg. Er mache sich Sorgen über den weiteren Fortgang der Coronakrise. Sämtliche Kurse, Seminare und Fortbildungen im Dienstleistungszentrum des ASB in Ludwigsburg seien bis auf Weiteres abgesagt. Soziale Dienste wie Essen auf Rädern oder auch der Hausnotruf seien wichtig und sollen deshalb erhalten bleiben.

Doch die Arbeit ist auch für die ASB-Mitarbeiter nicht ganz ungefährlich. „Wir haben schon einige Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, in unseren Rettungswagen transportiert. Auch viele Verdachtsfälle waren dabei“, erklärt Groß.

Nötige Sicherheitsmaßnahmen für den Transport von Corona-Patienten wurden getroffen: Sobald auch nur ein Verdacht auf eine Coronainfektion besteht, schützen sich die Mitarbeiter mit Schutzanzügen und Masken. „Gefährlich wird es natürlich, wenn wir vorab keine Informationen haben“, so Groß. Ansonsten bestünde, wie bei der Influenza auch, der normale Infektionsschutz. „Nach dem Transport wird der Wagen wie immer gründlich gereinigt“, sagt der ASB-Geschäftsführer. In Ludwigsburg stehen zwei Rettungswagen, zehn Krankentransportwagen, zwei Notarztfahrzeuge und ein Intensivfahrzeug zur Verfügung.

Während Groß und sein Team bei den Einsatzfahrzeugen zwar aus dem vollen Schöpfen können, könnte es beim Personal aufgrund der Kita- und Schulschließungen zu deutlichen Engpässen kommen. „Wir haben vorab schon mit unseren Mitarbeitern gesprochen und sie gebeten, andere Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder zu überprüfen “, sagt Groß. Um die Versorgung zu sichern, denke der ASB auch über einen Notfallplan nach, der die Betreuung der betroffenen Kinder – eventuell vor Ort beim ASB – vorsieht.

In den Einrichtungen des ASB wurden ebenfalls vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Besucherströme in die Pflegeeinrichtungen wurden unterbunden. „Wir haben dazu aufgerufen, einen Besuch zu verschieben, wenn dies möglich ist“, sagt Groß.

Vorsorge wurde auch bei Polizei und Feuerwehr getroffen. Um ihre Einsatzfähigkeit zu sichern, haben die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis wie auch die Feuerwehr Ludwigsburg bereits alle Hauptversammlungen abgesagt, alle Veranstaltungen und auch Übungen finden bis auf weiteres nicht statt. Der aktuelle Grundausbildungslehrgang wurde abgebrochen, auch Besuchergruppen, etwa Schülerklassen, werden nicht mehr empfangen.

Ansonsten gilt wie überall: Auf Handschlag verzichtet, Distanz einhalten, bei Grippe-Symptomen werden die hauptamtlichen und auch freiwilligen Kräfte nach Hause geschickt. Daneben bereitet sich die Feuerwehr laut Pressesprecher der Stadt „auf weitere Eskalationsstufen“ vor, unter anderem wurden Urlaube verschoben.

Die Polizei bereitet sich laut Polizeipräsident Burkhard Metzger mit einem Stufenkonzept auf die Ausbreitung des Coronavirus vor, „mit Augenmaß und ohne Panik und Hysterie“. Im Präsidium wurde eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet. Es stehe außerdem in ständigem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden und dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, das wiederum im interministeriellen Krisenstab vertreten ist.

Bislang gebe es noch keinen bestätigten Fall einer Coronaerkrankung im Präsidium, so Metzger, die Hygienemaßnahmen wurden extrem verschärft. Von Schutzausstattungen für den operativen Dienst über Zugangsbeschränkungen für die Kantine bis zum Dienstsport, der nicht mehr in Gruppen stattfindet, sei viel getan worden. Hinzu kommen die üblichen Handlungsanweisungen, dazu wurde die Kommunikation über Video- und Telefonkonferenzen vorbereitet. Mitarbeiter wurden definiert, die in Krankheitsfällen im Führungs- und Lagezentrum oder im Streifendienst einspringen können. Bisher seien 20 Beamte präventiv nach Hause geschickt worden, die Hälfte arbeite bereits wieder, so Metzger. Zentral sei, mit dem Stufenkonzept auf eine Eskalation und auf Quarantänefälle reagieren zu können. Und das „ohne spürbare Sicherheitseinbußen“.

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