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Neujahrsempfang

IHK fordert bessere Rahmenbedingungen

Bezirkskammer-Präsident Albrecht Kruse plädiert für Abwägung beim Klimaschutz – Trendforscher: Vorstellung von Daten wird sich völlig wandeln

Anregende Gespräche gab es im Foyer, nachdem die Gäste von IHK-Präsident Albrecht Kruse, seiner Vize Nicole Porsch und Prof. Dr. Stefan Micheels (Institut Hohenstein) empfangen worden waren (von links). Hier geben sich gerade Armin Maschke (Geschäfts
Anregende Gespräche gab es im Foyer, nachdem die Gäste von IHK-Präsident Albrecht Kruse, seiner Vize Nicole Porsch und Prof. Dr. Stefan Micheels (Institut Hohenstein) empfangen worden waren (von links). Hier geben sich gerade Armin Maschke (Geschäftsführer Avila, vorne) und Hans Schmid (Geschäftsführer DQuadrat) die Ehre. Den Festvortrag hielt der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky (oben rechts).
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Anregende Gespräche gab es im Foyer, nachdem die Gäste von IHK-Präsident Albrecht Kruse, seiner Vize Nicole Porsch und Prof. Dr. Stefan Micheels (Institut Hohenstein) empfangen worden waren (von links). Hier geben sich gerade Armin Maschke (Geschäfts
Anregende Gespräche gab es im Foyer, nachdem die Gäste von IHK-Präsident Albrecht Kruse, seiner Vize Nicole Porsch und Prof. Dr. Stefan Micheels (Institut Hohenstein) empfangen worden waren (von links). Hier geben sich gerade Armin Maschke (Geschäftsführer Avila, vorne) und Hans Schmid (Geschäftsführer DQuadrat) die Ehre. Den Festvortrag hielt der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky (oben rechts).

Ludwigsburg. Die sehr nahe und etwas fernere Zukunft bestimmte den Neujahrsempfang der Ludwigsburger Bezirkskammer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart gestern Abend im Forum am Schlosspark. Während sich Bezirkskammer-Präsident Albrecht Kruse auf die nächsten Monate konzentrierte, blickte der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky als Festredner des Abends auf die nächsten zehn Jahre voraus.

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IHK Neujahrsempfang 2020

Angesichts der wirtschaftlich wieder schwierigeren Zeiten forderte Kruse, „dass sich die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln am Standort hier spürbar verbessern“ müssten. Handlungsbedarf sieht er im Bürokratieabbau, der Innovationsförderung, der Ausweisung von Gewerbeflächen in der Region, der Beseitigung von Engpässen in der Infrastruktur, der Rekrutierung von Fachkräften und der Schaffung von geeignetem Wohnraum.

Auch den Klimaschutz und die Energieversorgung zählte Kruse zu den Rahmenbedingungen, die er aber im Sinne der Wirtschaft, nicht im Sinne der Klimaaktivisten behandelt sehen will. „Es mag das Vorrecht der Jugend sein, sich für eine oder jede gerechte Sache einzusetzen, ohne dabei jedes Gegenargument sorgfältig abzuwägen. Unternehmer, gewählte Amtsträger und Politiker können sich aber dieser Abwägung nicht entziehen“, betonte Kruse.

Dies sei eine persönliche Anmerkung, „weil es keine offizielle Position der Kammer dazu gibt“, erklärte Kruse als Seitenhieb auf die Kaktus-Initiative in der IHK-Bezirksversammlung, ohne diese allerdings beim Namen zu nennen. Den Kammerkritikern gab er auch noch die rhetorische Frage mit, ob es nicht sinnvoll wäre, „wenn die IHK nicht als Plattform für Gesellschaftspolitik missverstanden würde“ und forderte dazu auf, Mehrheitsmeinungen zu respektieren. Angesprochen war damit unter anderem der Ludwigsburger Internetunternehmer Peter Schweizer, gegen den die IHK Stuttgart heute vor Gericht zieht. In dem Zivilprozess geht es um eine Kundgebung der Kaktus-Initiative vor der Zentrale der Kammer in Stuttgart. Schweizer war gestern zusammen mit anderen Vertretern der Kaktus-Initiative unter den mehreren hundert Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Deutlich abseits des Tagesgeschäftes der Kammer und ihrer Unternehmen bewegte sich der Vortrag von Sven Gábor Jánszky, auch wenn seine Thesen zur Zukunft durchaus auf das Tagesgeschäft der heimischen Wirtschaft Auswirkungen haben dürften. Denn die Vorstellung von Daten werde sich in den nächsten zehn Jahren vollkommen wandeln, prognostizierte der Trendforscher. Die Analysen seines Leipziger Unternehmens 2b Ahead ThinkTank fußen auf den Aussagen und Einschätzungen von führenden Mitarbeitern der Unternehmen, die weltweit die technische Innovation vorantreiben, wie Jánszky beim Jahresempfang erläuterte.

Den Wandel in der Welt der Daten charakterisierte Jánszky so: Bis 2010 habe es nur stationäre Daten gegeben, derzeit stünden Echtzeitdaten zur Verfügung, und in Zukunft gebe es Prognosedaten, die schneller seien als Echtzeitdaten. Noch in diesem Jahr kämen Daten menschlicher Emotionen dank immer besserer Gesichtserkennungssoftware dazu, und ab 2025 flössen auch menschliche Gedanken in den Datenpool ein. Diese Entwicklungen müssten bei künftigen Geschäftsmodellen berücksichtigt werden, erklärte der Zukunftsforschern den Unternehmern.

Dass diese Daten auch verarbeitet werden können, machten künftig Quantencomputer möglich. Diese seien am Ende des Jahrzehnts billiger als heutige Rechenzentren in Unternehmen und damit auch wirtschaftlich einsetzbar.

Die technische Entwicklung beurteilt Sven Gábor Jánszky dabei grundsätzlich positiv, sowohl im persönlichen wie auch im unternehmerischen Bereich. „Es kommt immer etwas Nützliches heraus“, meinte er. Schließlich führe die Erfassung von Messwerten und die Sammlung und Auswertung dieser Daten stets zu Verbesserungen.

Ob es für viele Unternehmen zu Verbesserungen ihrer Marktposition führt, sei allerdings zweifelhaft. Denn in der Daten-Ökonomie droht nach Einschätzung des Leipziger Trendforschers ein Ungleichgewicht. „Macht haben die Unternehmen, die das Betriebssystem für die jeweilige Branche haben“, sagte er. Gemeint ist damit die Software, die dafür sorgt, dass die Datenmengen beherrschbar und nutzbar werden. Pro Branche werde es höchstens ein halbes Dutzend solcher entscheidender Unternehmen geben, so Jánszky.

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