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Akademiehof
Mehrheit für nächtliche Platzsperrung von Akademiehof

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Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Polizeieinsatz auf dem Akademiehof. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Eindrücke vom Ludwigsburger Akademiehof aus den vergangenen Monaten.Archivfotos: LKZ
Eindrücke vom Ludwigsburger Akademiehof aus den vergangenen Monaten.Archivfotos: LKZ
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Nach den Ereignissen auf dem Akademiehof fordern viele Stadträte rasches Handeln. Der Vorstoß des Oberbürgermeisters, den Platz nachts zu sperren, erhält viel Unterstützung. Die Grünen fordern den Einsatz von Sozialarbeitern.

Ludwigsburg. Die Ankündigung von Harald Kilgus, sein Hotel am Wochenende künftig zu schließen, hat bei den Stadträten für mächtig Wirbel gesorgt. Die Beschreibungen des Hoteliers (LKZ vom 4. und 5.Oktober) von den Zuständen auf dem Akademiehof haben Entsetzen ausgelöst. „Solche Verhältnisse sind Herrn Kilgus nicht zuzumuten“, sagt etwa Michael Vierling, der Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Kilgus hatte am vergangenen Wochenende einen Brandbrief an die Stadträte verschickt und darin gefordert, den Platz zu sperren oder ein Alkoholverbot zu verhängen. Grund dafür seien Randale, Lärm und Belästigungen am Wochenende, die er weder seinen Gästen noch seinen Mitarbeitern zumuten könne.

In den Augen der Grünen gibt es kein Patentrezept, wie man das Problem lösen kann. Laut Michael Vierling brauche es eine mehrdimensionale Strategie. Zum einen schlägt er vor, die Arbeitsgruppe „Sicherer Akademiehof“, in der sich Polizei und Stadt austauschen, zu einem runden Tisch zu erweitern. Gemeinsam mit Vertretern aus der Kommunalpolitik, der Jugendarbeit und des Jugendgemeinderats sollte nach Lösungen gesucht werden. Ludwigsburg sei mit dieser Problematik kein Einzelfall, sagt Vierling und verweist auf die Krawalle in Stuttgart.

Überrascht von dramatischer Lage

Über das von Oberbürgermeister Matthias Knecht vorgeschlagene Verweilverbot auf dem Akademiehof gibt es bei den Grünen unterschiedliche Meinungen. Wie berichtet lässt die Stadt derzeit rechtlich prüfen, ob man den Akademiehof nachts ab 23 oder 0 Uhr sperren könnte. Auf solche Verbote – wie auch auf Videoüberwachung oder ein Alkoholverbot – reagieren die Grünen zurückhaltend. Viel wichtiger seien ordnungspolitische Maßnahmen, so Vierling. Etwa die Präsenz von Polizei und Ordnungsdienst sowie Sozialarbeitern.

Den Platz komplett zu sperren, lehnen die Grünen ab. Das sei für die 95 bis 98 Prozent der Jugendlichen, die sich vernünftig verhalten, nicht zumutbar. Dafür können sich die Grünen einen Mitarbeiter der Verwaltung, der als Ansprechpartner für das Thema städtisches Nachtleben zuständig ist (anderswo Nachtbürgermeister genannt), vorstellen. „Wir brauchen jemanden, der die Leute kennt“, sagt Vierling.

Wie dramatisch die Situation ist, hat die CDU überrascht. „Wir müssen eine Lösung für die gesamte Stadt finden“, sagt Fraktionschef Klaus Herrmann. Grundsätzlich findet die Idee eines nächtlichen Aufenthaltsverbots auf dem Akademiehof in der CDU Unterstützung. Allerdings wird es dann zu Verlagerungen kommen, ist Herrmann sicher. Trotzdem müsse die Stadt jetzt schnell handeln.

Auch eine Videoüberwachung findet der CDU-Stadtrat sinnvoll – wenn es rechtlich möglich ist. Darüber hinaus erwartet Herrmann weitere Vorschläge von der Verwaltung. „Wir müssen das Problem an der Wurzel angehen.“

Reinhardt Weiss (Freie Wähler) ist das Verweilverbot noch nicht genug. „Es muss etwas geschehen.“ Die Polizei müsse viel mehr Präsenz vor Ort zeigen, denn der kommunale Ordnungsdienst sei mit der Situation überfordert. Videokameras fände Weiss sinnvoll. Ob das rechtlich möglich sei, könne er aber nicht einschätzen. Bei einem Alkoholverbot sieht er das Problem, dass sich das nur schwer überwachen lasse.

Von der SPD wird das Verweilverbot ebenfalls unterstützt. Ob ab 23 oder 0 Uhr müsse man noch diskutieren, sagt die Fraktionsvorsitzende Margit Liepins. „Wir müssen handeln.“ Ihrer Meinung nach sollte sich die Sperrung des Platzes daran orientieren, wann die umliegenden Gastronomiebetriebe schließen. „Anders scheint man es nicht in den Griff bekommen zu können.“ Komplett dicht machen könne man den Platz nicht, weil man in die Tiefgarage kommen müsse.

Kein Generalverdacht gegen die Jugend

Auch der SPD ist klar, dass es keine einfachen und perfekten Lösungen geben wird. Margit Liepins vermutet, dass es durch ein nächtliches Verweilverbot auf dem Akademiehof zu Verlagerungen kommt. „Dann haben wir die Randale wieder auf der Bärenwiese.“ Ob der Einsatz von Sozialarbeitern etwas bringt, zweifelt Margit Liepins an. Sie rechnet nicht damit, dass gewaltbereite Jugendliche und junge Erwachsene ein Interesse daran haben, sich mit Sozialarbeitern auszutauschen. Den Einsatz von Videoüberwachung oder ein Alkoholverbot sieht sie ebenfalls skeptisch. Das müsse alles kontrolliert und ausgewertet werden, sonst bringe es nichts. Die SPD-Stadträtin wehrt sich zudem gegen einen Generalverdacht gegen die Jugendlichen. Eine Gruppe reiche aus, um für Unruhe auf dem Platz zu sorgen.

Zustimmung für das Verweilverbot gibt es auch von der FDP. Dann könnten die vernünftigen Jugendlichen den Platz wenigstens bis 23 oder 24 Uhr nutzen, sagt Stadtrat Jochen Eisele. Die Probleme begännen meist erst nach Mitternacht. Insgesamt sei der Akademiehof ein sehr schwieriges Thema und Lösungen zu finden, nicht einfach. Eisele: „Vielleicht muss der Platz ein bisschen mehr mit Veranstaltungen bespielt werden.“

Nachgefragt
Wer sind die Übeltäter?

Ein Großteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen verhält sich auf dem Akademiehof angebracht. Es sind immer wieder kleine Gruppen, die für Unruhe und Gewaltausbrüche sorgen, das betont auch die Polizei. Doch wer sind diese Personen? Laut einem Sprecher der Polizei lasse sich die Problem-Klientel nicht einem bestimmten Bevölkerungskreis zuordnen. Es gebe darunter Personen, die den Kollegen regelmäßig auffallen. Allerdings auch solche, die aus benachbarten Kommunen zum Feiern auf den Platz kommen. Zu Eskalationen kommt es dabei regelmäßig erst zu späterer Stunde und mit steigenden Alkoholkonsum. (red)