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Südstadt

Wüstenrot plant Wohnen und Büros

Haus- und Städtebau will Firmengelände an der Hohenzollernstraße neu ordnen – Gestaltungsbeirat kritisiert Größe und Gestaltung

Ecke Hohenzollern-/Elmar-Doch-Straße in der Südstadt: Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH will den Parkplatz vorne (von Hecke umrandet) mit einem Bürogebäude belegen. Nach dem Abriss der beiden alten Büroblöcke rechts (rotes Gebäude sowie das L-fö
Ecke Hohenzollern-/Elmar-Doch-Straße in der Südstadt: Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH will den Parkplatz vorne (von Hecke umrandet) mit einem Bürogebäude belegen. Nach dem Abriss der beiden alten Büroblöcke rechts (rotes Gebäude sowie das L-förmig angrenzende weiße Gebäude entlang der Hohenzollernstraße) soll dort Wohnbebauung entstehen. Die weißen Gebäude links und hinten mit WW-Zeichen sind vom Mutterkonzern Wüstenrot & Württembergische AG angemietet und bleiben von den Planungen unberührt. Foto: Holm Wolschendorf
Die Neubauten von der Hohenzollernstraße aus gesehen (Richtung Osten). Links das neue Bürogebäude (ehemals Parkplatz), rechts die Wohnbebauung. Dazwischen ist ein Hof angelegt, der im Westen mit einem einstöckigen Anbau abschließt. Rechts ist noch ei
Die Neubauten von der Hohenzollernstraße aus gesehen (Richtung Osten). Links das neue Bürogebäude (ehemals Parkplatz), rechts die Wohnbebauung. Dazwischen ist ein Hof angelegt, der im Westen mit einem einstöckigen Anbau abschließt. Rechts ist noch ein Teil der denkmalgeschützten Ziegelhäuser von Friedrich Haußer zu sehen. Zeichnung: Wüstenrot Haus- und Städtebau

Ludwigsburg. Das Bürogebäude zu nah an der Hohenzollernstraße, die Wohngebäude zu hoch und in Dachform, Farbigkeit und Material nicht passend. „Die dargestellten Fassaden sind in Proportion und Anmutung nicht akzeptabel.“ Einigermaßen vernichtend fiel das Urteil des Gestaltungsbeirats aus, als es Ende Januar 2019 in nicht-öffentlicher Sitzung um den Plan der Wüstenrot Haus- und Städtebau (WHS) ging, das eigene Areal an der Ecke Hohenzollern-/Elmar-Doch-Straße neu zu ordnen. Auf dem etwa 1200 Quadratmeter großen Parkplatz soll ein fünfstöckiges Bürohaus mit Dachaufsatz entstehen. Danach sollen die bestehenden Bürogebäude – Hohenzollernstraße 12 bis 14 – abgerissen und durch vierstöckige Wohnbebauung mit halbem Dachgeschoss ersetzt werden.

Bauhistorisch hat die Südstadt einiges an Architektur zu bieten

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht ohne weiteres ins Auge fällt: Die Südstadt, mit der in der Gründerzeit Ludwigsburg erweitert wurde, ist bauhistorisch durchaus bedeutsam (siehe rechts unten). Ein Stadtbauplan von Theodor Fischer von 1908 zeigt, wie in der Südstadt die Achsenstruktur der historischen Innenstadt aufgenommen wurde. Die „Stuttgarter Schule“ des Architekten und Stadtplaners prägte mit Blockstruktur und Plätzen auch Ludwigsburg.

Der Bebauungsplan mit eingeschränktem Gewerbegebiet sowie Mischgebiet lasse solch einen Neubau zu, so der Gestaltungsbeirat. Die „komplexe Bau- aufgabe“ befinde sich jedoch in einer „wichtigen städtebaulichen Position in einem sehr heterogenen Quartier“, urteilen die Architekten. Kritik üben sie nicht nur an dem hohen Bürogebäude, das zu nah an der Hohenzollernstraße geplant sei, sondern auch an der Tiefgaragenabfahrt, die sie lieber in der Elmar-Doch- statt in der Hohenzollernstraße sehen würden.

Der Gestaltungsbeirat will Erhalt des Gebäudes prüfen lassen

Wie auch bei anderen Vorhaben wünscht sich der Gestaltungsbeirat auch von der WHS, zu prüfen, ob das bestehende Bürogebäude nicht doch erhalten werden kann. „Der Beirat empfiehlt in zukünftigen Planungen, die Kriterien der Nachhaltigkeit und grauer Energie zu beachten.“ Wie berichtet, hatte sich der Gestaltungsbeirat kürzlich auch für den Erhalt eines Bungalows an der Friedrichstraße ausgesprochen, der von Felix Gfoerer gebaut worden war – trotzdem dieser ausdrücklich nicht für die Ewigkeit errichtet wurde.

Die WHS ging mit ihren Planungen früh in den Gestaltungsbeirat. Sie prüfe „ergebnisoffen die Bebauung“, teilt die Wüstenrot&Württembergische-Gruppe auf Anfrage mit. Hier trennt sich die Mutter von der Tochter und übt sich in Zurückhaltung: „Hervorzuheben ist: Es ist in der W&W-Gruppe bislang keine Entscheidung gefallen, ob ein solches Bauvorhaben umgesetzt werden soll.“

Ob nach der Parkplatzbebauung die alten WHS-Bürogebäude abgerissen und durch einen Neubau mit Wohnungen ersetzt werden, werde ebenso „vollkommen ergebnisoffen“ geprüft. „Auch hierzu ist keine Entscheidung gefallen.“ Es mag sein, dass die WHS da vorgeprescht ist: „Die Pläne der WHS in der Hohenzollernstraße finden unabhängig von der angedachten Neugestaltung des W&W-Areals im Süden des Wüstenrot-Areals statt.“ Diese befinden sich in ein paar Hundert Meter Nachbarschaft.

Wie berichtet, will Wüstenrot nach der Bebauung des neuen Campus auf Kornwestheimer Gemarkung Teile ihrer Bürogebäude auf Ludwigsburger Areal abreißen und neu bauen. Die Projektleitung für den Campus hat Jörg Tigges, Bereichsleiter bei WHS und zuständig für die Standortentwicklung von W&W. Für die Neubebauung auf Ludwigsburger Areal war bisher die Rede von Büros und Nahversorgung, aber auch Geschäfte, Wohnbebauung und eine Quartiergarage waren schon ins Gespräch gebracht worden. Das alte Hochhaus bleibt stehen, welche Gebäude sonst abgerissen werden, war bisher noch unklar.

Dieses Jahr soll Wettbewerb starten, 2023 soll gebaut werden

Mit den Planungen soll es laut dem Pressesprecher von W&W noch dieses Jahr losgehen. „In enger Abstimmung zwischen Kommune und der W&W-Gruppe wird es 2020 einen Architektenwettbewerb geben“, sagt Immo Dehnert. 2023 werde das Areal nach allen Umzügen auf den neuen Campus frei sein, dies wolle man „bestmöglich und zukunftsorientiert als Teil der Südstadt neu gestalten“. Sicher ist, dass auf dem Areal hoch gebaut werden darf – das Gebiet ist als Hochhausgebiet ausgewiesen.

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