Besigheim. LKZ-Chefredakteurin Ulrike Trampus und ihr Stellvertreter Stephan Wolf nahmen die Landtagskandidaten ordentlich unter die Lupe. Bei der Podiumsdiskussion in der Reihe „LKZ Impulse“ hatte das Moderatorenteam für alle sechs Kandidaten eigens auf sie zugeschnittene Fragen parat. Die Bewerber waren aufgefordert, aus dem Stegreif eine Rede zu einem ihnen oder ihrer Partei nahestehenden Thema zu halten. Weitere Fragen zu Bildung, Sicherheit, Verkehr und Wohnen galt es zu beantworten sowie einige Fragen aus dem Publikum.
Die Positionen von Tobias Vogt (CDU), Tayfun Tok (Grüne), Daniel Haas (SPD), Reno Geisler (AfD), Paul Wien (FDP) und Ingrid Petri (Linke) boten wenig Überraschungen. Dafür aber gab es für die Zuschauer in der Alten Kelter interessante Einblicke ins Gemüt und die Persönlichkeit der Kandidaten. Tobias Vogt und Tayfun Tok, die beiden Landtagsabgeordneten, für die nicht nur Besigheim ein Heimspiel war, sondern auch die Landespolitik im Allgemeinen, spielten auf der Bühne mit ihrer Wettbewerbssituation, mal im Spaß, mal im Ernst. Und tatsächlich deuten die Umfragen an, dass das Rennen enger ist als noch vor ein paar Wochen gedacht.
Haas spricht von Rosenkrieg
Ingrid Petri von der Linken, gelernte Krankenschwester, stand mit großer Leidenschaft zum Krankenhausstandort Bietigheim-Bissingen und zeigte ihre lustige Seite in einer Spontanrede zur fiktiven Eröffnung eines umfangreich sanierten Klinikums. Der SPD-Kandidat Daniel Haas, der bei der Landtagswahl vor fünf Jahren schon kandidiert hat, punktete zwar weniger bei seinem spontanen Grußwort. Dafür aber hatte Haas die Lacher auf seiner Seite, als er das Geplänkel von Vogt und Tok als Rosenkrieg bezeichnete. „So sieht es wohl aus, wenn eine Ehe zu Ende geht“, sagte Haas.
Reno Geisler und Paul Wien blieben in der Diskussion wie auch bei ihren Spontanreden eher zurückhaltend. Der AfD-Kandidat Geisler, der in Markgröningen im Gemeinderat sitzt, will die Probleme, die auf kommunaler Ebene nicht gelöst werden können, in die Fläche, sprich in den Landtag, geben. Das sei eine Motivation für seine Kandidatur. Paul Wien von der FDP rechtfertigte sich für ein Foto mit einer Spielzeugkettensäge, zu dem er nach wie vor stehe. Argentinien, so Wien, sei auch einmal ein wohlhabendes Land gewesen. Dann sei dort die Bürokratie weiter und weiter gewachsen.
Bildung hat wichtigen Stellenwert
Einen wichtigen Stellenwert hat für alle sechs Kandidaten das Thema Bildung, insbesondere die frühkindliche Bildung. Paul Wien (FDP) möchte die Kapazitäten in den Kindergärten erhöhen, sowie Meister und Fachwirt stärken, um die Bedeutung des gegliederten Schulsystems zu zeigen. Tobias Vogt (CDU) plädiert für ein kostenloses drittes Pflicht-Kindergartenjahr. Das sei finanzierbar, wenn der Länderfinanzausgleich reformiert werde. „Baden-Württemberg hat kein Einnahmeproblem“, sagte Vogt und verwies darauf, dass manche Nehmerländer kostenfreie Kitas hätten.
Daniel Haas zeigte auf, dass die SPD schon lange für einen gebührenfreien Bildungsweg von der Kita bis zur Meisterschule sei. „Der Elternbeitrag muss vom Staat übernommen werden, sodass jedes Kind gleiche Startchancen hat“, sagte Haas. Auch Ingrid Petri (Linke) plädierte für einen kostenfreien Bildungsweg von der Kita bis zum Uniabschluss. „In Bildung zu investieren, lohnt sich“, sagte sie. „Jeder investierte Euro kommt dreifach zurück.“
Kinder müssen Deutsch können
Dass es bei frühkindlicher Bildung vor allem um den Erwerb der deutschen Sprache gehe, darin waren sich Tobias Vogt und Tayfun Tok (Grüne) einig. „Wichtig ist, dass die Kinder in der ersten Klasse Deutsch können. Da müssen wir massiv reingehen“, sagte Vogt. Viele Kinder seien zugewandert, sagte Tok. Da sei es die Pflicht des Staates, dass diese Kinder in der Schule voll durchstarten könnten.
Bildung war ein wichtiges Thema, die Moderatoren stellten aber auch Fragen zum Verkehr und zu bezahlbarem Wohnraum. Tayfun Tok sprach sich für eine Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur aus, mit besserer Taktung und unterstützenden Bürgerbussen. „Ich möchte den Menschen die Freiheit geben, nicht aufs Auto angewiesen zu sein“, sagte er. Was den Verkehr angeht, der durch die Klärschlammverbrennungsanlage in Walheim erwartet wird, sieht sich Tok als Vermittler zwischen der EnBW und der Gemeinde Walheim. Für bezahlbaren Wohnraum möchte er das Landeswohnbauförderprogramm noch einmal aufstocken.
Renovierung statt Neubau
Im Hinblick auf Wohnraum setzt Ingrid Petri auf Renovierung statt Neubau. „Wir haben eine Renovierungsnot, keine Wohnungsnot“, sagte sie. Petri möchte, dass Rentner und Kinder kostenlos den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nutzen können und das 9-Euro-Ticket wieder einführen. Sie ist gegen Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen und dafür, dass Polizisten ihre Klarnamen an der Uniform tragen.
Paul Wien (FDP) möchte einen kreisweiten ÖPNV. „Von Marbach nach Oberstenfeld oder Besigheim zu kommen, ist quasi unmöglich“, sagte er. „Da muss sich was ändern.“ Um günstigere Wohnungen bauen zu können, möchte Wien die Regelungen in der Landesbauordnung sowie die Baunebenrechte auf ein Minimum reduzieren.
Bezahlbarer Wohnraum ist nach Ansicht von Tobias Vogt (CDU) die soziale Frage Nummer eins. „Da hilft nur eines: Bauen, Bauen, Bauen“, sagte Vogt und sprach sich zudem für eine Entbürokratisierung der Landesbauordnung aus. Was den öffentlichen Nahverkehr angeht, ist Vogt sicher, dass in den nächsten Jahren viel Geld in die Hand genommen werden muss. „Wir brauchen Fahrradwege, ausgebaute Straßen und einen starken ÖPNV. Wir wollen die einzelnen Mobilitätsformen nicht gegeneinander ausspielen.“
Mehr als 23.000 Bauvorschriften
Auch Reno Geisler (AfD) spricht sich für ein Streichen der vielen Regeln beim Bauen aus. Mehr als 23.000 Bauvorschriften verteuerten das Bauen, sagte Geisler. Man könne die Hälfte wegstreichen. Er plädierte für ein Verkehrskonzept, in dem alle Mobilitätsformen in Einklang gebracht werden.
Daniel Haas (SPD) plädierte für einen stabilen ÖPNV. „Der Landkreis Ludwigsburg hat einen starken Pendlerstrom“, sagte Haas. Es brauche zu Stoßzeiten einen 15-Minuten-Takt. Haas sprach sich für ein 365-Euro-Ticket aus, mit dem junge Menschen ein ganzes Jahr durch ganz Baden-Württemberg fahren können. Haas will die Wohnungsbaugesellschaften fördern, um günstigen Wohnraum zu schaffen. „Die wissen am besten, wo Flächen sind, wo Wohnungen gebaut werden können.“


