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Bürgermeister Sebastian Mannl: Bilanz nach den ersten 100 Tagen im Amt

Der neue Bürgermeister Sebastian Mannl in seinem Büro. Foto: Andreas Becker
Der neue Bürgermeister Sebastian Mannl in seinem Büro. Foto: Andreas Becker
Die ersten 100 Tage hat Bürgermeister Sebastian Mannl hinter sich. Mit welchen Themen hatte er in dieser Zeit zu tun? Wie blickt er auf seine neue Heimatstadt? Und was will er in Ludwigsburg angehen?

Ludwigsburg. Ganz fremd war ihm die Stadt ja nicht. Zumindest das Blühende Barock hat Sebastian Mannl mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern schon besucht, ehe er sich dazu entschied, im vergangenen Sommer als Nachfolger von Bürgermeister Michael Ilk anzutreten. Der 43-Jährige aus Oldenburg, zuletzt zuständig für das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) in Bremen, hat die Wahl gewonnen. Seit dem 3. November sitzt er im Rathaus als Leiter des Dezernats III. Dort verantwortet er neben dem Tiefbau, den Grünflächen und dem Bereich Sicherheit und Ordnung auch ein Schlüsselressort: die gesamte städtische Mobilität.

Was ist ihm in seinen ersten 100 Tagen in Ludwigsburg besonders aufgefallen? „Die viele Gastronomie und wie belebt die Stadt ist“, sagt Mannl. Obwohl Oldenburg, wo er bisher mit seiner Familie gelebt hat, fast 170000 Einwohner hat, sei Ludwigsburg urbaner. Apropos Oldenburg – zum 1.März hat Sebastian Mannl seine Frau und seine Kinder nachgeholt. Die Familie hat auf der Hartenecker Höhe in Oßweil ein neues Zuhause gefunden. Ins Büro kommt er jetzt zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Und nach den Sommerferien wird Mannls Frau als Rektorin an einer Stuttgarter Grundschule beginnen.

Ein wichtiges Ziel für den Bürgermeister: Ein Verkehrskonzept

Als neuer Bürgermeister hat Sebastian Mannl gleich mit einer ganzen Reihe von schwergewichtigen Themen zu tun bekommen: etwa der Erhöhung der Gebühren für das Bewohnerparken, der Stadtbahn oder den Problemen auf dem Akademiehof. Was ist ihm dabei besonders aufgefallen? „Ich habe die Verbundenheit der Ludwigsburger zum Automobil unterschätzt.“ Überrascht hat ihn auch, wie viele Parkplätze es in Ludwigsburg gibt – sowohl im öffentlichen Raum als auch in den Tiefgaragen der Wohngebiete.

Die öffentlichen Verkehrsräume neu zu verteilen und statt Parkplätzen mehr Grünflächen und Radwege möglich zu machen, sei ein Prozess, der Ludwigsburg noch viele Jahre beschäftigen werde, ist Mannl überzeugt. Wenn Autostellflächen entsiegelt werden, kann man in der Stadt mehr Aufenthaltsqualität schaffen: zum Beispiel durch Außengastronomie. Die Situation auf dem Akademiehof sieht der neue Bürgermeister dagegen nicht ganz so dramatisch. Da ist er aus seiner Zeit in Bremen ganz anderes gewohnt. Dort sei es regelmäßig vorgekommen, dass Jugendliche am Wochenende die Polizei eingekesselt haben. Die Kriminalitätsstatistik Ludwigsburgs gebe keinen Anlass zur Sorge, auch wenn das Sicherheitsgefühl der Bürger manchmal ein anderes ist und diese meinen, dass zu wenig für die Sicherheit getan werde.

Polizei und städtischer Sicherheitsdienst beobachten Akademiehof intensiv

Mannl verspricht, dass er den Akademiehof im Auge behalten werde. Die Polizei und der städtische Sicherheitsdienst würden den Platz intensiv beobachten. Dabei sei es wichtig – übrigens auch am Bahnhof –, dass „die Sicherheitsorgane sichtbar sind“.

Das Problem mit den unbesetzten Stellen beim städtischen Vollzugsdienst will Sebastian Mannl durch bessere Bezahlung lösen. „Sehr gute Erfahrungen haben wir in der Coronazeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der Gastronomie gesammelt.“ Die Pandemie hätten einige für einen beruflichen Umstieg genutzt. Und wer aus der Gastronomie kommt, der „kennt das Geschäft auf andere Weise ganz gut“.

Das solche Stellen nicht besetzt werden können, kennt Mannl aus Bremen übrigens nicht. Dort liegt die Arbeitslosigkeit um die zehn Prozent. Entsprechend groß ist das Interesse auf sichere Jobs in der Verwaltung.

In Sachen Carsharing ist er von Bremen ein anderes Niveau gewöhnt

Eine seiner größten Aufgaben sieht er in der Mobilität. „Das ist ein Thema, von dem jeder betroffen ist.“ Daher auch die hohe Emotionalität bei allen Diskussionen, die mit dem Verkehr zu tun haben. Ideen für Veränderungen gibt es viele. Für Sebastian Mannl ist daher wichtig, eine klare Hierarchie der Projekte zu entwerfen. Dazu gehören ein gut funktionierender ÖPNV, der Ausbau des Radwegenetzes samt Radschnellwegen und eine Befreiung Ludwigsburgs vom massiven Durchgangsverkehr über die B27. Dieser soll möglichst auf die Autobahn. All diese Punkte sollen in ein Gesamtverkehrskonzept für Ludwigsburg einfließen.

Vieles stecke in der Stadt noch in den Kinderschuhen. Etwa das Thema Carsharing. Da ist er aus Bremen, wo es das seit 15 Jahren gibt, ein ganz anderes Niveau gewohnt. „Das Angebot muss da sein, sonst steigt niemand um“, ist Sebastian Mannl überzeugt.

Sein größter Wunsch beim Amtsantritt war, dass er in der Stadt gut aufgenommen wird. Nach den ersten 100 Tagen sei klar: Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen.